Natasha Khan
hat umdekoriert, ihr oft unnahbar wirkendes Drumherum ausgetauscht und tönt nun doch recht ungewohnt in einem neuen kuschelig-wohligen Klangkostüm.

Lost Girls
heißt ihr neues Album und es ist wie eine Reise in die Achtziger, von der Stimmung her, von den Vibes, alles scheint ein Trip in die gute alte, mitunter auch langweilig scheinende Zeit..

Von ihren auf den vier Vorgängeralben gelebten dunklen, leicht Goth-Dreampop-Björkisch angehauchten Klängen ist zugunsten dieser neuen Hörbarkeit nicht viel geblieben, nimmt man den neuen Klang allein und lässt die Künstlerin außen vor, haben wir ein Erwachsenenpopalbum für die, die ihre Jugend in den Achtzigern verlebten und gern einmal in Erinnerungen schwelgen, die Madonnas Auf- und Abstieg mitverfolgten, die Michael Jackson unter Umständen noch lebend erfahren durften und denen Prince‚ schreiende Tauben in lila im Radio während der Fahrstunden heimliche Freudenschreie entlockten.

Während die ersten zwei Songs inmitten ihres geschmeidigen Fahrwassers plötzlich ausgeblendet werden ist das folgende Feel For You mit seinen angestrengt wirkenden Level 42-Beats eher nervenaufreibend, im folgenden Desert Man fühlt man sich Madonna zu Frozen-Zeiten zugewand, ohne jedoch in Gefühl und Melodie an Frau Ciccone heranzureichen.

Hier vermisst man die verschlungenen Pfade der Vorgängeralben am schmerzlichsten und vermag den Wandel zu mehr Hörbarkeit nicht gutheißen, zumal hierdurch und durch fehlende Alleinstellungsmerkmale viel Potential verschenkt und die Möglichkeit durch die Lappen gegangen scheint, ein bemerkenswerteren Nachfolger auf die Beine zu stellen.

Pet Shop Boys-Romanticism im anschließenden Jasmine, die Vermutung liegt nahe, dass besungene Dame irgendwo im West-End Zuhause ist.

Ein Saxophon versucht hernach die Vampire zu retten, vielleicht vor zu vielen Scheinwerfen, in die sich Khan offenbar gern begeben würde. Leider einfallslos dümpelt der Song vor sich hin und verbreitet soviel Gefühl wie Softpornos vom Dorfe für SAT1-Zuseher. Auch So Good verspricht im Titel mehr, als die zugehörenden Töne dies realisieren.

Die abschließenden Safe Tonight, Peach Sky und Mountains sind leider ebenso unauffällig und zu vernachlässigen, der stampfende Disco-Beat wirkt ausgenudelt wie das eingespielte ‚Oh-oh-ohoh-ohhh‘-Geraune (Safe Tonight) – Auch Rückwärtssingen (Peach Sky) hilft nicht wirklich weiter.
Sorry, mach mal Zeitschleife zurück, so fünf Jahre und dann mal schauen.


° ° °
54/100

BAT FOR LASHESLost Girls
6.9.2019

batforlashco

Kids In The Dark
The Hunger
Feel For You
Desert Man
Jasmine
The Vampires
So Good
Safe Tonight
Peach Sky
Mountains

Ein Kommentar zu „Zurückgedreht: BAT FOR LASHES – Lost Girls (review)

  1. Bin auch enttäuscht von dem Album – The Hunger ist super, aber der Rest plätscherte bei mir so durch, ohne Spuren zu hinterlassen. Schade.

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