tempersba

(photo & allrights: TEMPERS)

° ° °

Diese Musik ist eher für die Zeit im Jahr, in der die Sonne nicht mehr die Kraft hat, die Erde zu erwärmen.
Die Zeit, in der es die meiste Zeit des Tages in Dunkelheit liegt.

Wenn man morgens vom Klingeln des Weckers geweckt wird und die Dunkelheit das Zimmer erfüllt.

In einer Schublade mit den Chromatics, The XX, TR/ST und Dreampop-Bands wie den Still Corners.

Dunkler Synth-Goth-Pop ist das, was

TEMPERS

machen. Gut machen.

Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper, das Duo aus New York, zimmert sich verstohlen und zurückgezogen auch auf ihrem dritten Album ihre eigene kleine Welt.

Die Schritte sind bedächtig. Als hätte sie Angst, zu sehr aufzufallen, wie sie sich so bewegt von Hausecke zu Hausecke. Keine Sonne, seit Tagen nicht. Ein dichter, grauer Scheier überzieht ihre Welt. Sie braucht dringend eine Zigarette an. Die fast klebrige Feuchtigkeit macht die Zündhölzer fast unbrauchbar. Endlich klappt es, mit einem verstohlenen Blick hinter sich inhaliert sie tief den Rauch. Spürt kaum ein Kratzen, aber sofort wird sie ein wenig ruhiger.
Sie sucht sich einen Platz in einer Bar, findet einen freien Tisch in der Nähe der Toiletten. Ein Mann rempelt sie im Vorbeigehen an, murmelt eine unverständliche Entschuldigung.
Sie weiß, dass sie Schuld ist.
Sie weiß, dass sie ihm folgen wird.
Er kommt zurück, schüttelt seine Hände trocken, verlässt das Lokal. Eilig wirft sie ein paar Münzen auf den Tisch und nimmt einen letzten Schluck. Der Rest geht auf’s Haus.
Sie hat keine Mühe, ihn im Gewühl des frühen Abends auszumachen. Er ist groß und er trägt einen tief ins Gesicht gezogenen Hut. Der Mann aus ihren Träumen.
Sie hat ihren Blick starr auf ihn gerichtet, nimmt nur verschwommen Anteil an der an ihr vorbeiziehenden Hektik dieser kleinen Stadt. Erleuchtete Fenster spiegeln sich im feuchten Laternenlicht.

Es sind ruhige, düstere Songs, ein harter aber freundlicher Takt der elektrischen Drums. Wir folgen ihnen. Noch einmal.
Stroboskoplicht auf der Tanzfläche, die Nebelmaschine verrichtet ihren Dienst.
Langsam, zurückgenommen und in ihrer elektronisch ausgekleideten Klangwelt schaffen sie Songs über das Leid des Alltags, die unabänderlichen Realitäten und verknüpfen sie mit sparsam beleuchteten Tracks für das Ende des Tages.

Dabei wirken sie nie bedrohlich oder beängstigend, eher verschaffen ihre Klänge Raum und Möglichkeit, über sich selbst und das Leben zu reflektieren.

Sie wischt sich mit einem Taschentuch über das Gesicht, verwischt ihren Kajal, ihre Augen wirken in der Stille der Nacht wie Magneten.
Es ist ein langer Kuss und sie müssen beide lachen. Es ist die Freude darüber, sich gefunden zu haben. Es ist das Wissen, hier ist etwas, hier ist jemand der bleibt, auch wenn es draußen kalt wird.

93/100

TEMPERSPrivate Life
Dais Records, 25.10.2019

tempersco

 

Capital Pains
Leonard Cohen Afterlife
Peace Of Mind
Filters
Daydreams
Guidance
Push Pull
More Than You Realized
Sleep
Exit

 

 

° ° °

// in english:

A cigarette in the haze

This one is for the time of the year when the sun no longer has the power to warm the earth.
The time when most of the day is in darkness.

When you woke up in the morning by the ringing of the alarm clock and no light fills the room.

In a drawer with Chromatics, The XX, TR/ST and Dreampopbands like Still Corners.

Dark Synth-Goth-Pop is what

TEMPERS

 do it. They do oh so well.

Jasmine Golestaneh and Eddie Cooper, the duo from New York, are secretly building their own little world on their third album.

Her steps are deliberate. As if she were afraid to attract too much attention as she moves from corner to corner. No sun, not for days. A dense, grey shit covers her world. She urgently needs a cigarette. The almost sticky moisture makes the matches almost unusable. Finally it works, with a stealthy look behind her she inhales the smoke deeply. Hardly feels a scratch, but immediately she becomes a little calmer.
She looks for a place in a bar, finds a free table near the toilets. A man bumps at her in passing, mumbling an incomprehensible apology.
She knows she’s to blame.
She knows that she will follow him.
He comes back, shakes his hands dry, leaves the bar. She hurriedly throws a few coins on the table and takes one last sip. The rest goes on the house.
She has no trouble spotting him in the hustle and bustle of the early evening. He’s tall and he wears a hat pulled deep into his face. The man from her dreams.
She has her eyes fixed on him, only blurredly taking part in the hectic pace of this small town passing her by. Illuminated windows are reflected in the damp lantern light.

They are quiet, dark songs, a hard but friendly beat of the electric drums. We have to follow them. Again and again.
Strobe light on the dance floor, the fog machine is on duty.
Slowly, withdrawn and in their electronically lined sound world, they create songs about the suffering of everyday life, the unalterable realities and link them with sparsely lit tracks for the end of the day.

They never seem threatening or frightening, their sounds create space and the possibility to reflect about oneself and life.

She wipes her face with a handkerchief, smudges her kajal, her eyes seem like magnets in the silence of the night.
It is a long kiss and they both have to laugh. It is the joy of having found each other. It is the knowledge, here is something, here is someone who stays, even if it gets cold outside.

 

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