tinderbamathiascruz
(photo & allrights: TINDERSTICKS / Mathias Cruz)

° ° °

Wenn zwischenzeitlich einmal ein Album von Stuart Staples nicht so ganz den eigenen Erwartungen entsprach und eventuelle Bedürfnisse nicht nur nicht erfüllte sondern weckte, so macht das gar nichts.
Schließlich gibt es immer noch die

TINDERSTICKS

die es seit mehreren Jahrzenten schaffen, immer wieder zu begeistern mit nur minimalen Änderungen im Klang, mit feinziselierten und gut abgestimmten Ergänzungen, einer ansonsten aber fortwährend gleichbleibenden  Qualität.

Das ist in etwa so, wie wenn man für längere Zeit nicht Zuhause bei der Familie gewesen ist.
Es ist so ein bestimmtes Gefühl des Vermissens, es ist nicht genau einzuordnen und stellt sich doch immer wieder ein. Darauf ist Verlass.
Genau wie auf diese Urgetiere der Popmusik.

Vom Aufnehmen der ersten Note bis zur Fertigstellung von
No Treasure But Hope
sind gerade einmal fünf Wochen vergangen.
Für eine Band, die vierzig Jahre aktiv ist und auf eine mehr als hochkarätige Veröffentlichungserie zurückblicken kann, eine kurze Zeit.

Bis dorthin jedoch war ein langer Weg des Wartens, Suchens und Findens; bis es los ging, doch dann war es alles wie in einem Fluss.
Kein Zögern, keine großen Überlegungen, es wurde zusammengefasst was zusammen gehört und das Ergebnis ist einwandfrei einer der gelungensten, einer der schönsten Momente in ihrer Geschichte.

Die meisten neuen Songs sind in Griechenland entstanden, eine Art Zufluchtsort für Staples, der ansonsten schon vor geraumer Zeit seine Londoner Wahlheimat in Richtung Limousin in Frankreich verlassen hat.
Das neue Album ist eine Art Wiederspiegelung eines gewachsenen Vertrauens zwischen ihm und seinen Bandkollegen nach Veröffentlichung des letzten Albums, das im Nachhinein betrachtet eher ein sich umschauen, ein in gewisser Weise unklares Werk war. Dieses Zusammenfinden und das entstandene Vertrauen hat offenbar ein neues gemeinsames Arbeiten entstehen lassen und diese Art der Zusammenarbeit hat den hier vorliegenden Langspieler erst möglich gemacht.

Es herrscht eine neue Poppigkeit besonderer Art auf dieser neuen

TINDERSTICKS

Scheibe vor. Das hervorstechendste Konstrukt ist das sich langsam heranschleichende See My Girls, das sich mit der unaufhaltsamen Erzählung Staples steigert und schliesslich über sich selbst hinauswächst. Er klingt wie gejagt und trotzdem bodenständig, das fast hektische hintergründige Piano, die klagenden Streicher, die sich überlappen und vom wiederkehrenden Mantra des in typischer und unnachahmbarer Weise geraunten Titels nimmt einen geruhsam gefangen. Wenngleich das poppigste Stück mit The Amputees gleich am Beginn der Scheibe ansteht, offenbart sich der Ton des Langspielers erst nach und nach.

Ein  perlendes Wunderwerk, ein sich Minute um Minute ergänzendes Ganzes, in dem sich die hier Versammelten ein ums andere Mal selbst übertreffen in angenehm schwebenden, geflüsterten Geheimniskrämereien.

Egal, was früher war, die Band ist in Hochform und die neuen Songs scheinen wie gemacht für einsame und gleichsam gemeinsame Herzen und offenbaren Gemütlichkeit, und Ernsthaftigkeit.
In dieser verwirrenden Zeit mehr als Willkommen.
Auf einige Dinge kann man sich nach wie vor rückhaltlos verlassen.

° ° °

97/100

TINDERSTICKSNo Treasure But Hope
City Slang, 15.11.2019

tindersticksco

For The Beauty
The Amputees
Trees Fall
Pinky At The Daylight
Carousel
Take Care In Your Dreams
See My Girls
The Old Man’s Gait
Tough Love
No Treasure But Hope

// in english:

The moment counts

If in the meantime an album by Stuart Staples didn’t quite live up to your expectations and didn’t just not fulfill your needs, it doesn’t matter at all.
After all, there are still the

TINDERSTICKS

who for several decades have managed to inspire again and again with only minimal changes in sound, with finely chiselled and well tuned additions, but an otherwise constant quality.

It’s like not being at home with your family for a long time.
It’s such a certain feeling of missing, it’s not easy to classify it exactly and yet it keeps coming back. You can rely on that.
Just like on these primeval creatures of pop music.

From the recording of the first note to the completion of
No Treasure But Hope
just five weeks have passed.
For a band that has been active for forty years and can look back on a more than top-class release series, a short time.

But until then it was a long way of waiting, searching and finding; until it started, but then it was all like a river.
No hesitation, no big considerations, it was summarized what belongs together and the result is flawlessly one of the most successful, one of the most beautiful moments in its history.

Most of the new songs were written in Greece, a kind of refuge for Staples, who left his London home some time ago for Limousin in France.
The new album is a kind of reflection of a grown trust between him and his band colleagues after the release of the last album, which in retrospect was more of a look around, a somewhat unclear work. This coming together and the resulting trust apparently led to a new working together and this kind of cooperation made this longplayer possible in the first place.

There is a new popness of a special kind on this new

TINDERSTICKS

record. The most striking construct is the slowly creeping See My Girls, which increases with Staple’s unstoppable narrative and finally outgrows itself. It sounds as if hunted and yet down-to-earth, the almost hectic, enigmatic piano, the lamenting strings that overlap and the recurring mantra of the title mumbled in a typical and inimitable way captivates the listener. Even though the most poppy piece with The Amputees nearly at the beginning of the disc, the tone of the longplayer only reveals itself gradually.

A sparkling miracle, a whole that complements itself minute by minute, in which those gathered here surpass themselves time and time again in pleasantly floating, whispered mysteries.

No matter what was before, the band is in top form and the new songs seem to be made for lonely and shared hearts and reveal cosiness and seriousness.
In this confusing time more than welcome.
There are still some things you can rely on unreservedly.

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