Halfaxa
habe ich trotz seiner manchmal schwer zugänglichen Klänge sehr gemocht.
Mein mp3-Player hat mit Hingabe seine Repeat-Taste schon fast von allein betätigt.

Dann, irgendwann, hat sich alles verändert.

GRIMES

herself wurde immer mehr zur elektrifizierten unmenschlichen Technik-Gestalt einer digital bestimmten Zeit, wurde einer immer gröer werdenden Menge Mensch bekannt, degenerierte ein Abziehbild ihrer Selbst und hat viele ihrer ursprünglichen Inspirationen, ANtriebe und Überzeugungen zugungsten einer mittlemäßig interessierten Öffentlichkeit irgendwo hinten runter fallen lasen.

Und mit dieser größtmöglichen Aufmerksamkeit liess mein Interesse spürbar nach. Kunstfiguren sind nicht immer meins und aus Claire Boucher wurde eine Randerscheinung.

Nun liegt ihr neues Album vor und ich komme nicht umhin, mich damit zu beschäftigen. Auch hier wieder werden alle möglichen Klänge zusammengepuzzelt, so ertönen Fantasy-Computer-Manga-Irgendwas und gesampelte Vocals tun ihr übriges um ein bisweilen etwas Nervtötend banal-aber Ich wollt ich wäre wichtig-Klingsal über uns zu ergießen (Darkseid / I Fell Through The Earth..)

Dabei sind mir dann doch ihre eingängigen Popsongs die liebsten. Dort hat man das Gefühl, noch nicht zur Gänze einer KI aufgesessen zu sein.
Glücklicherweise besteht das Werk nicht nur aus Ambient-Trance-Versatzstück-Gepiepse, sondern hat beispielsweise mit My Name Is Dark eben auch feine kleine Popstückchen zu bieten. Auch in Delete Forever ist da die eher freundliche Naivität, die Menschlichkeit vertont, man spürt im Hintergrund noch eine Art unbändiger Energie, den Aufbruch, das innere Aufgewühltsein, ähnlich wie damals, als gerade in der Nachbarschaft Alice Glass noch gemeinsame Sache mit Crystal Castles machte.

Dennoch, der Großteil der hier präsentierten neuen Songs entbehren diesem Reiz, diesem hintergründigen, dunklen, geheimen, gewichen ist dies einer Präsentationskultur, einer Neuzeit, in der jeder Pups mit entsprechenden Memes, gifs und Stories allüberall gepostetwerden muss und so dem Leben dieser Kunstfigur eine Art Eigenständigkeit einzuhauchen versucht und so werde ich das Gefühl nicht los, dass ich eher weniger auf
Miss Anthropocene
zurückgreifen werde.

° ° °

70/10

GRIMESMiss Anthropocene
4AD, 21.2.2020

grimesco

So Heavy I Fell Through The Earth
Darkseid
Forever
Violence with io
4 M
New Gods
My Name Is Dark
You’ll Miss Me When I’m Not Around
Before The Fever
IDORU

° ° °

// in english:

Plastic instead of life, plastic instead of art

Halfaxa
I liked very much despite his sometimes difficult to access sounds.
My mp3-player has been devotedly pressing its repeat button almost by itself.

Then, at some point, everything changed.

GRIMES

herself became more and more the electrified inhuman technological figure of a digitally determined time, became known to an ever increasing number of people, degenerated a decal of herself and dropped many of her original inspirations, drives and beliefs for the benefit of a medially interested public somewhere in the back.

And with this greatest possible attention my interest decreased noticeably. Art figures are not always mine and Claire Boucher became a marginal phenomenon.

Now her new album is available and I can’t avoid to deal with it. Again, all kinds of sounds are puzzled together, so fantasy-computer-manga-something and sampled vocals do the rest to make a sometimes annoyingly banal-but I wish I was important sounding album (Darkseid / I Fell Through The Earth…)

But then again, her catchy pop songs are my favourite ones. There you have the feeling that you haven’t yet sat on the whole of an AI.
Luckily, the album doesn’t only consist of ambient trance offset beeps, but also has some nice little pop songs like My Name Is Dark. In Delete Forever, too, there is the rather friendly naivety, which sets humanity to music, you can still feel a kind of unrestrained energy in the background, the awakening, the inner turmoil, similar to the time when Alice Glass was making out with Crystal Castles in the neighbourhood.

Nevertheless, the majority of the new songs presented here lack this charm, this enigmatic, dark, secret, this has given way to a presentation culture, a modern age in which every fart has to be posted everywhere with corresponding memes, gifs and stories, trying to breathe a kind of autonomy into the life of this fictional character, and so I can’t shake the feeling that I’m rather less interested in listen to
Miss Anthropocene
 with joy.

 

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