esba

(photo & allrights: ES / One Beat PR/ Bandcamp)
Maria Cecilia Tedemalm (Gesang), Katy Cotterell (Bass), Tamsin M. Leach (Schlagzeug) und Flora Watters (Keyboards).

° ° °

Bemerkenswerterweise hat die Frauendichte in Bands, die in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit drängten, die vor allem aber auch tatsächlich wahrgenommen werden, enorm zugelegt. Wertfrei geäußert.
Muss man diese eigentliche Selbstverständlichkeit erwähnen. Heute?

Eine Stimme haben, eine Meinung vertreten, sich Freiheiten nehmen und sich auch entsprechend frei fühlen, einfach mal die Fresse aufzureissen und auszuteilen.

Diese Post-Punk-Girls aus London machen es gleich richtig.
Mit Strom und Feuer und Energie preschen sie in ihren bassgeladenen Songs nach vorne, schauen sich nicht groß um nach rechts oder links, der Weg ist das Ziel und das Ziel liegt vor Augen. Irgendwo inmitten der Trümmer, des Verrats und der Heruntergekommenheit der Vorstadt.

Stechende Gitarren und knarrend-aufwühlender Gesang. So viel Gefühl wie möglich. Auch nach eigener Aussage.

I try to apply as much emotion as I can.

Wie unheilvoll und drohend die Bässe, die Rhythmusgitarre, das Hervorpreschen, das klingt nach Comsat Angels, nach Chameleons, nach 80ern und nach dunklen Toreingängen, Hinterhöfen und Joints in den Kneipen, in die man nur kam, wenn man die richtigen Treppen hinunterstieg und tatsächlich auch den Eingang kannte.

Es fällt schwer, angesichts dieser mysteriös verschachtelten, powervollen und energiegeladenen Songs, die stets als Joker irgendwo eine Melodie in der Hinterhand haben und damit alle Herzen im Sturm erobern ruhig und gelassen zu bleiben. Bei nahezu gleichbleibend hohem Tempo schaffen die Songs jeder für sich eine kleine Welt zu erschaffen, verrucht, dunkel, schmutzig, stets aber aufrecht und mit gutem Gewissen einigermaßen böse und immer unberechenbar.

Das mystisch geheimnisvolle Severed zu Beginn der zweiten Hälfte des Albums macht ein wenig langsamer, lässt einen Augenblick zum Atem schöpfen, fasziniert aber weiter mit fast elegant-zerstörerischem Zusammenspiel der Akteurinnen.
Nichts wird unterdrückt, hier wird herumgewerkelt und Probleme werden analysiert, ein Abbild unserer oft mehr als fragwürdigen Gesellschaft zur Disposition gestellt.

Neben all dem Rohen, Drahtigen und Gemeinen ist den Songs eine Vielschichtigkeit und eine in manchen Momenten so etwas wie fragende Zurückhaltung anzumerken, so als benötigten sie die Zustimmung der Hörerschaft.
Diese sollte ihnen gewiss sein, kaum ein Werk hatte mehr Geheimnis, mehr Underground und mehr verstörende Intimität und Fremdheit.

° ° °

97/100

ESLess Of Everything
Upset The Rhythm, 3.4.2020

Esco

Chemical
 Foundation
 Mystery
 Sesame
 Off The Rails
 Severed
 Unsavoury
 Kingdom Come
 Hidden Track

 

 

// in english:

The Heart Is The Key

Remarkably, the number of women in bands that have been pushing into the public eye in recent years, but which above all are actually noticed, has increased enormously. Expressed without value.
Must one mention this actual matter of course. Today?

To have a voice, to have an opinion, to take liberties and to feel free to just open your face and give out.

These post-punk girls from London do it right.
With electricity and fire and energy they push forward in their bass-loaded songs, don’t look around much to the right or left, the way is the goal and the goal is in front of you. Somewhere amidst the debris, betrayal and run-down suburbia.

Stinging guitars and creaking, stirring vocals. As much feeling as possible. Even by their own admission.

I try to apply as much emotion as I can.

How ominous and threatening the basses, the rhythm guitar, the pushing out, it sounds like Comsat Angels, like Chameleons, like 80s and like dark doorways, backyards and joints in the pubs you only got into when you climbed down the right stairs and actually knew the entrance.

It’s hard to stay calm and relaxed in the face of these mysteriously interlaced, powerful and energetic songs, which always have a melody up their sleeve as a joker somewhere and thus take all hearts by storm. At a nearly constant high tempo the songs create a small world for each one of them, wicked, dark, dirty, but always upright and with a clear conscience somewhat evil and always unpredictable.

The mystically mysterious Severed at the beginning of the second half of the album slows down a bit, lets you catch your breath for a moment, but continues to fascinate with the almost elegantly destructive interplay of the protagonists.
Nothing is suppressed, there is a lot of tinkering and problems are analysed, a picture of our often more than questionable society is put up for discussion.

Beside all the raw, wiry and mean things, the songs have a complexity and in some moments something like questioning restraint, as if they needed the approval of the audience.
They should be assured of this, hardly any other work had more mystery, more underground and more disturbing intimacy and strangeness.

 

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