eveowenbajenlong

(photo & allrights: EVE OWEN / Jen Long)

° ° °

Mir bis vor ein paar Wochen zur Gänze unbekannt drängt mit dem neuen Album

Don’t Let The Ink Dry
eine junge Dame ins Sicht- respektive Hörfeld, die einiges auf dem Kasten sprich, zu bieten hat.

EVE OWEN

gerade mal 20 und Tochter von Clive Owen (ein Schauspieler, für mich, die sich im Terrain der darstellenden Kunst eher nicht auskennt und für den eh immer alle gleich aussehen, entsprechend einer von Vielen..), wohnhaft in London, hat die letzten drei Jahre mit Herrn National Gessner an ihrem Schallplatten-Debüt herumgebastelt, auf dem letzten Album von The National auch in Quiet Light gesanglich dabei sein.
Und hier nun ein Singer-Songwriter-Teilchen, dass in der einschlägigen Presse Lobpreisungen hinnehmen durfte und das mit viel Gefühl und einer leichtgläubigen Selbstverständnis auftritt, als hätten wir es hier mit einer alteingesessenen Künstlerin zu tun und nicht mit einem, nicht überheblich gesagt, jungen Ding.

Um so bemerkenswerter das Ergebnis.

Die Platte, die bei Dessners & Vernons (Justin, Bon Iver) Label erscheint, hat Potential. Und bei all der großnamigen Unterstützung könnte einem um die gerade mal aus den Teenie-Schuhen herausgewachsenen Künstlerin ein wenig Angst & Bange werden.
Doch, nein, diese Befürchtung ist grundlos.

Leicht murmelnd, bisweilen nuschelnd kommt sie daher und verbreitet Lebenserfahrung wie die einer erfahrenen Alten.

So habe ich Dich verloren als Du mich aufgegeben hast, weißt Du, es gab da mal eine Zeit, da habe ich Dich geliebt, aber heute, heute liebe ich Dich nicht mehr.
Verpackt in kreisende Gitarren inmitten einer Synthie-Sound-Kreation, die leicht gestört/verhuscht wirkt und ein fast ängstlich wirkendes Umfeld kreiert.

By sharing my love in a song, it lasts forever

Zum Albumtitel befragt, sagt Owen, das man ab und an trotz vorhandener Zweifel und Bedenken im Vorfeld einfach mal ohne jedwede Eventualität abzuwägen etwas wagen sollte, einfach mal drauf los und schauen, was kommt. Oft ist das Erebnis befriedigender als befürchtet, manchmal sind die besten Entscheidungen die aus dem Bauch heraus getroffenen.

After The Love hat Zeug zu ganz Großem.
Intensiv und unnachgiebig, mit  Hintergrundchor und spielerisch wirkenden, dunklen Synthies, die in einer sich stetig steigernden Rhythmik verbergen und über die Eve mehr und mehr auf ein unausweichliches Ziel hinzustreben (singen) scheint.

Folkpopmelancholie.
Funkelnd, packend, abwartend, umschliessend.
Du gleitest hinein wie in ein glucksendes Loch voller Treibsand, ein Sog ungeahnt, es umringt Dich, presst sich an Dich, drückt hier einmal und entlässt Dich an anderer Stelle, lässt Luft zum Atmen und benebelt die Sinne, gut gelaunt, trotz überwiegend vorherrschender Nachdenklichkeit. Zwischen Lieblichkeit und energischem Zupacken.
Das Leben hält für Jeden ein Schicksal bereit, dass im Großen und Ganzen nicht, wohl aber durch Taten im Kleinen verändert werden kann.

Die orchestrale Untermalung webt ihr Ding, schwebt, passt sich dem Lo-Fi-Geschrammel an und ist immer für ein kleines Gimmick zu haben, zeugt von Selbstbewusstsein und wenig Scheu, dem eigenen Können eine adäquate Bühne zu geben.

„I really like the idea that you can go through all these different changes in your life, but the root of who you are will always stay the same.”

Dinge immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, bringt oft erstaunliche Veränderungen zutage. Nicht nur, dass alles zwei Seiten hat, es ist die Vielzahl an Emotionen und Gefühlen, die allein eine einzelne Zeile bei den Hörern haben kann. Je nach momentaner Verfassung, ganz nach gesammelten Erfahrungen. Dies ist etwas, das für Eve bei der Zusammenstellung und der Entstehung ihrer Lieder viel bedeutet. Zudem versucht sie, mithilfe ihrer Lyrics die umherschwirrenden Ideen und Gedanken zu bündeln, einzufangen, festzuhalten, zu veranschaulichen.

Zart an der Oberfläche kratzend, dann mit den Fingernägeln tief ins Fleisch bohrend, so unterschiedlich die Stimmung, die Songs, so einheitlich die Unnachgiebigkeit der Musikerin, die ihr Ziel eigenwillig und vehement verfolgt und dabei ein Song-Od nach dem anderen ans Tageslicht bringt und sicher die längste Zeit im Schatten gestanden hat.

° ° °

95/100

EVE OWENDon’t Let The Ink Dry
37d03d, 8.5.2020

eveowenco

 

Tudor
Lover Not Today
Mother
After The Love
For Redemption
Bluebird
She Says
I Used To Dream In Coloiur
So Still For You
Blue Moon
29 Daisy Sweetheart
A Lone Swan

 

// in english:

The Beauty Of Sadness

Not completely unknown to me at least I didn’t really notice her a few weeks ago the new album

Don’t Let The Ink Dry
a young lady in the field of (vision or) hearing, who has more than a lot to offer.

EVE OWEN

just 20 and daughter of Clive Owen (an actor, for me, who is rather unfamiliar with the terrain of the performing arts and for whom everyone looks the same anyway, according to one of many…), living in London, has been tinkering with her record debut for the last three years with Mr. National Gessner, also taken place as a singer in Quiet Light, one Song on the last The National-Album.
And now here is a singer-songwriter part that has received praise in the relevant press and that appears with a lot of feeling and a light-hearted self-image, as if we were dealing with a long-established artist and not, not arrogantly put, with a young thing.

The result is all the more remarkable.

The record, which is released on Dessners & Vernon‘s (Justin, Bon Iver) label, has a very pleasant, unexpeted potential. And with all the big-name support, you might get a little anxious about the artist who has just grown out of her teenie shoes.
But, no, this fear is unfounded.

Slightly muttering, sometimes mumbling, she comes along and spreads life experience like that of an experienced old woman.

So I lost you when you gave up on me, you know, there was a time when I loved you, but today, today I no longer love you.
Wrapped in circling guitars in the midst of a synth sound creation that seems slightly disturbed and creates an almost fearful environment.

By sharing my love in a song, it lasts forever

Asked about the album title, Owen says that despite doubts and doubts in advance, you should dare to do something without weighing up every eventuality, just go for it and see what happens. Often the experience is more satisfying than feared, sometimes the best decisions are those made from the gut.

After The Love has the potential for great things.
Intense and unyielding, background chorus and playful dark synths, hidden in a constantly increasing rhythm, over which Eve seems to strive (sing) more and more towards an inescapable goal.

Folk pop melancholy.
Sparkling, gripping, waiting, embracing.
You glide into it like into a gurgling hole full of quicksand, an undertow unimagined, it surrounds you, presses itself against you, presses here once and releases you elsewhere, leaves air to breathe and befuddles the senses, in a good mood, despite predominantly prevailing thoughtfulness. Between loveliness and energetic grasping.
Life holds a destiny for everyone, which on the whole cannot be changed, but can be changed by doing something small.

The orchestral background music weaves its thing, floats, adapts itself to the lo-fi-frame and is always available for a little gimmick, testifies to self-confidence and little shyness to give one’s own abilities an adequate stage.

„I really like the idea that you can go through all these different changes in your life, but the root of who you are will always stay the same.“

Looking at things from different angles over and over again often reveals amazing changes. It’s not just that everything has two sides, it’s the multitude of emotions and feelings that a single line alone can have on the listener. Depending on the current state of mind, depending on the experience gained. This is something that means a lot to Eve in the composition and creation of her songs. In addition, she tries to bundle, catch, hold on to and illustrate the ideas and thoughts that are buzzing around with the help of her lyrics.
Tenderly scratching the surface, then drilling deep into the flesh with her fingernails, so different are the moods, the songs, so uniform is the intransigence of the musician, who pursues her goal headstrongly and vehemently, bringing to light loveable one song-gem after another and surely has been in the shadows for the longest time.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Die Schönheit der Traurigkeit: EVE OWEN – Don’t Let The Ink Dry (review)

  1. Hallo Achim,
    danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Jemandem irgendeinen Künstler* nahe bringen kann.. Scheint mir hier ja auch wieder geglückt.. 😉
    Herzliche Grüße
    Jens

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