chrisleehutsonba

(photo & allrights: CHRISTIAN LEE HUTSON / Bandcamp)

° ° °

Hallo Tagebuch, gestern erst habe ich wieder Stunden damit zugebracht, an SIE zu denken. Du weißt schon..
Es ist schon Monate her inzwischen, unsere Familie war im Urlaub, also, mein Bruder nicht, der ist ja beim Bund. Und die Vermieter jedenfalls, die hatten nicht nur diesen Pool sondern auch diese Tochter. Sabrina.
Was für ein exotisch anmutender Name in Westdeutschland zu Beginn dre 80er Jahre.
Diese Tochter jedenfalls war mit Uwe und mir in den Pool gestiegen, mehrfach. An aufeinanderfolgenden Tagen.
Sie hatte lange brünette Haare und trug einen Bikini.
Nicht, dass da Unmengen zu verbergen gewesen wären, aber genug, um meine Fantasie anzuheizen.
Sie war drei Jahre älter als wir und schien unerreichbar.
Außer wenn wir fangen spielten im Wasser. Da konnte ich ihre nasse Haut berühren.

° ° °

Dieser Typ hat Songs für Phoebe Bridgers geschrieben. Und für Better Oblivion Community Center. Dafür hat nun Conor Oberst auf dieser hier vorliegenden Platte mitgemacht. Und Phoebe Bridgers hat produziert.

Die scheinen sich zu kennen. Und zu mögen.

Jedenfalls trägt
Beginners
nun eindeutig die Handschrift von

CHRISTIAN LEE HUTSON.

Auch, wenn seine Musik keine Neuerfindung des Rades ist, auch wenn seine Stimme keine dauerhafte knieende Ehrerbietung erfordert, ist dies ein Album, dass das Zeug zu etwas Besonderem hat.
Eine Sammlung von Bedeutung.

Schon allein das Cover.
Das hat ja etwas von Kunst. Das hat je etwas von Das rahme ich mir ein und hänge es mir an die Wand.

Es ist ein Kunstwerk. Ein Album, das sicher viel mehr Leute ansprechen würde, wenn eben diese potentiellen Fans von dessen Existenz wüssten.
Wie jedes Jahr entgehen einem ständig viele viele Platten, viele Künstler bleiben einem verborgen. Da kann man machen was man will, umtriebig sein, umherklicken was das Zeug hält, bei Kolleginnen schauen, sich informieren, lesen..
Hätte nicht zufällig Phoebe Bridgers dieses Album quasi beworben, ich wäre vielleicht nicht darauf gekommen, überhaupt mal reinzuhören.

Beginners
klingt irgendwie, als hätten wir wieder 1980, ich würde jeden Tag in die Schule aufbrechen, am Nachmittag mit den Freunden in der Grube spielen (eine Art Abenteuerspielplatz direkt vor der Haustür) oder Fußball hinter dem Haus, natürlich vorsichtig, damit der Ball nur nicht ian irgendein Fenster geschossen wird.
Bis dann die Mutter am Fenster stehend zum Essen ruft. Laut, eindringlich.
Im Radio läuft Nena, Joachim Witt, Paul Simon, im Kino möchte ET telefonieren, James Bond kämpft gegen die Bösen aus dem Osten.
Es ist eine gute Zeit, weil es ist gut, wie es ist. Man ist klein, jung, unerfahren, die Welt und das Leben liegen vor einem und man hat überhaupt keinen Plan von dem, was einen erwartet. Egal, es ist alles gut und das Ticken des Weckers wirkt beruhigend und erinnert an die Großmutter.

The Weakerthans, Flowerpornoes & Paul Simon.
Mixed up, et voila:

CHRISTIAN LEE HUTSON.

Es ist ein unaufgeregtes Album, es ist ein Album für das Frühjahr, den noch unbekannten Sommer, für die Zeit, wenn das Zappeln zunimmt und die Zeit des unruhig Hin- und Herdrehens unter der Bettdecke, wenn die Nächte langsam warm werden und man einen Fuß hervorstreckt um die dunkle Kühle aufnehmen zu können. Es ist kraftvoll in seiner Unspektakulärität.
Es schöpft Kraft aus seinem Inneren, seinen klassischen Strukturen, seinen Melodien, die sich unaufdringlich und doch stets in Erinnerung durch die Rillen ziehen.

Man nimmt sich nicht so wichtig, man hört einfach zu. Und das ist wirklich wohl tuend. Denn Hutson verbreitet Wohlfühlklima. Kein belangloses Geplänkel, es ist ein Geschichtenerzähler, der weiß, was er tut, der weiß, was er kann und der selbstbewusst genug ist, auch einmal unschöne Dinge zu erwähnen und in die Welt hinauszutragen.

Vielleicht erinnert man sich, das, ja, das habe ich gehört, als Corona alles durcheinandergebracht hat.
Nicht alles ist schlecht in 2020.
Dies hier beweist das Gegenteil.

° ° °

99/100

CHRISTIAN LEE HUTSONBeginners
Anti-Records, 29.5.2020

chrishutsonco

Atheist
Talk
Lose This Number
Unforgivable
Northsiders
Twin Soul
Seven Lakes
Get The Old Band Back Together
Keep You Down
Single For The Summer

 

° ° °

in english:

Dear Diary

Hello diary, only yesterday I spent hours thinking about her again. You know…
It’s been months now, our family was on holiday, so, not my brother, he’s with the Covenant. And the landlords, anyway, they didn’t just have this pool, they had this daughter. Sabrina.
What an exotic name in West Germany in the early 80’s.
This daughter, in any case, had got into the pool with Uwe and me, several times. On consecutive days.
She had long brunette hair and wore a bikini.
Not that there was much to hide, but enough to fuel my imagination.
She was three years older than us and seemed unreachable.
Unless we were playing catch in the water. I could touch her wet skin.

° ° °

This guy wrote songs for Phoebe Bridgers. And for Better Oblivion Community Center. But now Conor Oberst has joined in on this record. And Phoebe Bridgers produced.

They seem to know each other. And like each other.

Anyway.
Beginners
now clearly the handwriting of

CHRISTIAN LEE HUTSON.

Even though his music is not a reinvention of the wheel, even though his voice doesn’t require constant kneeling reverence, this is an album that has what it takes to be special.
A collection of meaning.

For example, take the cover alone.
It has something of art. It has something of that I frame and hang it on my wall.

It’s a work of art. An album that would certainly appeal to many more people if these potential fans knew of its existence.
Like every year, many, many records escape you all the time, many artists remain hidden from you. There you can do what you want, be busy, click around, look at colleagues, inform yourself, read…
If Phoebe Bridgers hadn’t advertised this album by chance, I might not have even thought of listening to it.

Beginners
sounds somehow like it’s 1980 again, I’d leave for school every day, play with my friends in the pit in the afternoon (a kind of adventure playground right outside the front door) or football behind the house, of course carefully so that the ball just doesn’t ian any window.
Until then the mother standing at the window calls for dinner. Loud, insistently.
Nena is on the radio, Joachim Witt, Paul Simon, ET wants to make a phone call in the cinema, James Bond is fighting the bad guys from the East.
It’s a good time because it’s good the way it is. You are small, young, inexperienced, the world and life lie before you and you have no idea what to expect. Anyway, it’s all good and the ticking of the alarm clock has a calming effect and reminds you of your grandmother.

The Weakerthans, Flowerpornoes & Paul Simon.
Mixed up, et voila:

CHRISTIAN LEE HUTSON.

It’s an unexcited album, it’s an album for the spring, the still unknown summer, for the time when the fidgeting increases and the time of restlessly turning back and forth under the blanket, when the nights slowly get warm and you stick out a foot to be able to absorb the dark coolness. It is powerful in its unspectacularity.
It draws strength from its interior, its classical structures, its melodies, which are unobtrusive yet always in memory.

One does not take oneself so seriously, one simply listens. And that is really doing good, it’s kinda self-refreshing… Because Hutson spreads a feeling of well-being. It’s not a trivial banter, it’s a storyteller who knows what he’s doing, who knows what he can do, and who is confident enough to mention unpleasant things and carry them out into the world.

Maybe you remember that, in 10, in 15 or twenty years. Aye–yes, I heard that when Corona messed everything up.
Not everything is bad in 2020.
This one proves the opposite.

 

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