ganserba

 

(photo & allrights: GANSER / Bandcamp / Felte)

° ° °
Ich mag ja so Schrammel-Punk-Pop-Irgendwas.
Wenn dann noch die ein oder andere mitreißende Melodie dabei rumkommt.. Herrlich.

Jedenfalls, also, ich mein, schaut doch mal:

GANSER

haben eine neue Scheibe aufgenommen.
Die fällt schon allein durch das Cover auf.
Schreiend gelb.

Mit einem sehr genialen Titel. Dazu sieht man quasi inneren Auges die alten, gehässigen Kaffeeklatschtanten in ekligen Parfums herumsitzen, sich ungerechtfertigt unbeachtet fühlend, ein wenig lästernd, ein wenig in der Gegend herumstarrend, bis dann eine der wohl beleibten Herauswachsenden ausruft:
„Also, jetzt mal bitte, jetzt seht Euch doch mal DIESEN HIMMEL an!“
Herrlich.

Und dann die Musik.
Zwischen den Allround-Allzeit-Helden Sonic Youth und anderen punk-nahen Gitarrenhelden.
Los geht’s mit Lucky. Ich sage nichts.

Knallende Bassläufe starten dann den Projector.
Eine coole (unterkühlte) Stimme, die mittendrin ertönt, jedoch ein wenig etwas von Beiläufigkeit ausstrahlt.
Mehr und mehr Gitarren schraddeln herum, machen ihr Ding, überlappen sich, jagen einander, pausenlos, atemlos.
Die Drums treiben.
Die Stimme verharrt in Ruhe.

Mit gehöriger Wut im Bauch preschen die vier Chicagoer heran, suhlen sich in ihren Songs, drehen sich im Kreis ohne die Orientierung zu verlieren, schreiten geradewegs voran mit herrlichen Melodiebögen zwischen Wohlklang und Rebellion.

Sie schraddeln auf ihren Instrumenten, klingen Indie ohne aufgesetzt zu wirken und eigenständig ohne irgendwo abzukupfern.
Zerren an den Nerven und balsamieren die aufgeriebenen Stränge mit schicker Melodie.
Für alle, die mit Punk etwas anfangen können, denen Nirvana, The Clash, Sham69 und die Pixies nicht ganz am Arsch vorbeigehen und die den Begriff Post-Punk nicht ausschliesslich auf dem Papier definieren können.
Für alle, die Chaos als zeitweiligen Gemütszustand durchaus akzeptieren können.
Für die, die gern mal über die Stränge schlagen und die beim Headbangen nicht zuallererst an Körperausdünstungen denken.

Mit Peitschenknallen und aufreizend gellendem Gesang, mit Sound, der sich nicht einfach beschreiben lässt, der gern laut und gern auch wild und gefährlich ist, der nichts von hochglanzpoliertem Interieur hält, wohl aber mal die Füße auf dem Tisch platziert und auch bei Regen in der Straße tanzt.

GANSER

klangen noch nie so reif, so entwickelt, so brutal direkt wie hier und jetzt.
Das ist sehr, sehr cool.

° ° °

97/100

GANSERJust Look At That Sky
Felte, 31.7.2020

ganserco

Lucky
Self Service
Projector
Emergency Equipment And Exits
Told You So
Shadowcasting
Bad Form
[No Yes]
Bags For Life

// in english:

Between harmony and rebellion

I like this Schrammel-Punk-Pop-Something.
If then the one or other stirring melody comes along. Wonderful.

Anyway, so, I mean, look:

GANSER

have recorded their new album.
You will recognize that from wherever you are by the cover alone.
Yelling yellow.

With a very brilliant title. You can see the old, nasty coffee-table-talkers in disgusting perfumes sitting around in their own inner eye, feeling unjustifiably unnoticed, a little blasphemous, staring around a little, until one of the obese adults calls out:
„Now, now, please, now look at THAT sky!“
Lovely.

And then the music.
Between the all-round all-time heroes Sonic Youth and other punk guitar heroes.
Here we go with Lucky. I won’t say anything more.

Popping bass runs then start the projector.
A cool (undercooled) voice, which sounds in the middle of it all, but radiates a little bit of casualness.
More and more guitars scramble around, doing their thing, overlapping, chasing each other, non-stop, breathless.
The drums drift.
The voice remains calm.

The four Chicagoans rush in with a lot of anger in their stomachs, wallowing in their songs, turning in circles without losing their orientation, walking straight ahead with wonderful melodies between melodiousness and rebellion.

They scramble on their instruments, sounding indie without being fake and independent without copying anywhere.
Tearing at the nerves and embalming the reamed strands with chic melody.
For all those who like punk, who give a damn about Nirvana, The Clash, Sham69 and the Pixies and who can’t define the term post-punk exclusively on paper.
For all those who can accept chaos as a temporary state of mind.
For those who like to go over the top and who don’t think of body vaporization at first while talking about this thing called headbanging.

With whip cracking and provocatively shrill singing, with a sound that is not easy to describe, that likes to be loud and likes to be wild and dangerous, that doesn’t think much of highly polished interiors, but does like to place its feet on the table and dance in the street even when it rains.

GANSER

have never sounded so mature, so developed, so brutally direct as right here and now.
This is very, very cool.

 

 

 

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