David Martin , Guy Bannister, Ian Jarrold, Alistair Bowis, Simon Fogal

° ° °
Acht Jahre sind eine recht lange Zeit.
Vor acht Jahren waren unsere Kinder noch Kinder und wussten nicht recht, was tun und erst recht nicht, was aus ihnen werden sollte.

Inzwischen sind sie ordentliche Studenden an der Universität.
Inzwischen wohnen wir am Land. Haben Hühner. Drei Hunde.
Inzwischen ist mein Vater tot.

Kompromat

heißt das neue Album meiner Allzeit-Lieblinge

I LIKE TRAINS.

Zu deren letzter Tour hatte ich Karten für den Auftritt in Wien gewonnen.
Inzwischen gibt es keine Auftritte mehr. Gerade nicht.

Und noch immer sind sie in ihrem Grundton schwarz und stetig dunkel bewölkt, bewegen sich verhuscht und dennoch gekonnt ohne zu taumeln in ihrem ureigenen Tonnebel, ihrer druckvollen Düsternis, der relativen Hoffnungslosigkeit, in diesem gegenwartsbezogenen Realismus, in dem man schon einmal des Überlebens Willen entgegen der allgemeinen Tristesse versuchen muss, dem Ganzen das Beste abzugewinnen. Nicht zu verzweifeln in einer Welt, die täglich mehr Traurigkeit, mehr Tränen in Dein Gesicht zu zaubern versucht.

Es sind betörende, beschwörende Songs, neginnend mit dem Steady Head, das sich zieht, leicht verkohlt, leicht verbrannt, heiß und schonungslos in seiner treibenden Kraft, die leiert, beginnt, sich zu wiederholen, nicht nachlässt an Intensität.

Grenzenloser Übergang in das kommende, von Sprechgesang getragene basslastige und elektrisch vorantreibende Desire Is A Mess. Wie kannst Du eigentlich nachts noch ruhig schlafen, noch schlafen, kannst Du nachts noch schlafen? Solange ich mich erinnern kann ist das doch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Und Du schaffst es, tust es, ich kann es nicht, je mehr ich mich anstrenge, desto tiefer sinke ich in Versuchung, fühle mich fast schuldig, ich habe nicht die Möglichkeit.

Dig In als Vorabsingle bekannt fährt ein Stückchen zurück, klingt wie Flash And The Pan auf Neuzeitdroge, macht Druck, hat Wumms und Chor, kommt dennoch wie ein wenig zappelnd im Netz daher, kann sich nicht ganzlich freistrampeln.

PRISM klingt dann so vertraut und gleichzeitg so fremd, ich habe es bislang sicher zwanzig mal gehört und kann die einzelnen Zutaten, die uns hier eingängig um die Ohren geschleudet werden, kaum richtig zuordnen. Etwas Papillon ist dabei. Und Jim Yoshi’s Pile Up mit Silver Sparkler haben die Trains sicher auch schon wochenlang auf Repeat gehört. Ups.

The Truth, das relativ ans Ende dieses großartigen Albums platziert wurde, ist so etwas wie das Herz dieses Werkes, vereint es doch alles, was diese Band ausmacht oder bislang ausgemacht hat plus die aktuelle Entwicklung plus das ein oder andere Ausrufezeichen hinter die Qualität und Kreativitat des Quintetts aus Leeds.

Auch hier gibt es wieder einen Zusammenhang der versammelten Stücke, beziehungsweise stellen die Songss, jeder für sich, ein besonderes, ein aktuelles Spiegelbild unserer strangen, kranken Welt dar.
Die Verbindung zwischen all dem ist hier nicht eine durchgehende Thematik sondern das Allgegenwärtige, die Beschäftigung mit dem Hier und Jeztt.

Eyes To The Left als Abschluß könnte umfassender, größer nicht sein.
Eine Hymne an die Dunkelheit, ein Beat zum Niederknien, ein grandioser Abschluß.
Power und Kraft, druckvoll, unaufhaltsam, aggressiv und eindringlich, sirenengleich, fesselnd und voller Gedanken.

° ° °
99/100

I LIKE TRAINSKompromat

A Steady Hand
Desire Is A Mess
Gig In
PRISM
Patience Is A Virtue
A Man Of Conviction
New Geography
The Truth
Eyes To The Left




° ° °
in english:

Morals & History

Eight years is quite a long time.
Eight years ago, our children were still children and did not really know what to do, let alone what to become of them.

In the meantime they are regular students at the university.
In the meantime we live in the country. Have chickens. Three dogs.
Meanwhile my father is dead.

Kompromat

is the new album of my all-time favorites

I LIKE TRAINS.

For their last tour I had won tickets for the performance in Vienna.
In the meantime there are no more performances. Not at the moment.

And still they are black in their keynote and constantly dark cloudy, they move cuddly and yet skilfully without staggering in their very own sound fog, their powerful darkness, the relative hopelessness, in this contemporary realism, in which one has to try to get the best out of the whole, against the general dreariness, for the sake of survival. Not to despair in a world that tries to conjure more sadness, more tears into your face every day.

They are beguiling, evocative songs, negating with the Steady Head, which stretches, slightly charred, slightly burned, hot and relentless in its driving force, which leans, begins to repeat itself, never diminishing in intensity.

Boundless transition into the coming Desire Is A Mess, carried by sprechgesang, bass-heavy and electrically propulsive. How can you still sleep calmly at night, still sleep, can you still sleep at night? For as long as I can remember, it has been impossible. And you can do it, you do it, I can’t, the more I try, the deeper I sink into temptation, I almost feel guilty, I don’t have the possibility.

Dig In, known as the pre-single, goes back a bit, sounds like Flash And The Pan on a modern drug, makes pressure, has humming and chorus, but still comes across as a bit fidgety on the net, can’t quite free itself.

PRISM then sounds so familiar and at the same time so strange, I’ve heard it at least twenty times so far and can hardly assign the individual ingredients, which are thrown around our ears in a catchy way. Something Papillon is there. And Jim Yoshi’s Pile Up with Silver Sparkler the trains have been listening to Repeat for weeks. Oops.

The Truth, which was placed relatively at the end of this great album, is something like the heart of this work, as it unites everything that makes up this band or has made up until now plus the current development plus the one or other exclamation mark behind the quality and creativity of the quintet from Leeds.

Here again, there is a connection between the collected pieces, or rather, the songs, each one for itself, represent a special, a current reflection of our stressful, sick world.
The connection between all this is not a continuous theme but the omnipresent, the preoccupation with the here and now.

Eyes To The Left as a conclusion could not be more comprehensive or greater.
A hymn to darkness, a beat to kneel down, a grandiose conclusion.
Power and strength, powerful, unstoppable, aggressive and haunting, siren-like, captivating and full of thoughts.



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