(photo & allrights: WILLIAM FITZSIMMONS / Facebook hp)

° ° °

Der traurige Barde mit der einschmeichelnden Stimme und den Songs, die einem schon ab und an die Tränchen in die Augen treiben, ist wieder da.

Auch wenn er nach eigener Aussage diese Platte gar nicht machen wollte, zumindest nicht in der thematischen und inhaltlichen Nähe zu seiner zweiten Scheidung, die hier (auch/u.a.) in seinen Texten verarbeitet werden. Jedenfalls sind wir überaus froh darüber, dass er sie doch gemacht hat, seine neunte Soloplatte. Man kann nämlich gar nicht genug gekommen von seinem in Wohlklang verpacktes Leid.

Denn wie gewohnt kommen hier die Streicheleinheiten der Seele nicht zu kurz, das Entblößen, zur Schau stellen und nackig machen – das zu seinen Gefühlen stehen, das Aufarbeiten, die Erkenntnis, das Weitermachen. Gerade in „solchen Zeiten“ braucht man mal sowas und außerdem stellt man doch immer wieder gern fest, man ist nicht allein und es geht durchaus auch anderen mal dreckig. Auch andere Menschen leiden, haben Herzschmerz, haben Sorgen, haben Ängste – aber auch Hoffnung.

So muss man nicht unbedingt immer positiv oder immer negativ denken – vieles ist Schicksal und dem ist das eigene Wohlergehen offenbar ziemlich schnurz.
Und auch muss man nicht ausschließlich die ganze Zeit nicht über die Zukunft nachdenken, die Gegenwart hält so viele fantastische Momente und Erlebnisse bereit, so dass es sich nicht lohnt, in die vielleicht ja deprimierende Zukunft zu scheuen.

Er wird nun wieder Vater, er ist zum dritten Mal verheiratet, liebt seine Kinder wie verrückt und wenn man Fitzsimmons in den sozialen Medien verfolgt, meint man vermeintlic beurteilen zu können: Er ist eigentlich glücklich wie nie.
Glücklich und dankbar.

Aus eigenen Fehlern, Unzulänglichkeiten und der eigenen Vergangenheit Konsequenzen ziehen und unglückliche Handlungen weitgehend vermeiden, das ist Ziel, Sinn, das ist Verarbeitung und Erkenntnis. So kann es voran gehen ohne sich erneut die Flügel zu verbrennen.

Ready The Astronaut auf seinem Weg reibt sich nicht nur die Hände und geniesst die Aussicht.
Wie Ikarus verbrennt er sich eben erwähnte Flügel, hat jedoch die Chance auf einen neuen Anfang. Hoffnung auf Veränderung.
So gibt es auf dem neuen Album auch die ein oder andere abgehobene Variation im Klang, nicht ausschließlich das Zupfgitarrenspiel, nein, auch Synthies tun ihren nicht mal kleinen Teil.

So macht man sich nichts vor, Maybe She Will Change Her Mind wäre eine (gedankliche) Möglichkeit, aber eine, die nicht von Belang ist, ist doch William erneut glücklich verheiratet und auf das Wohlwollen seiner zweitern Frau nicht angewiesen um eben sein neues, dieses große Glück zu erreichen.
Vielleicht ist das das leichte Grinsen im Hinterkopf, mit dem er diese dinge verarbeitet hat, mit neuer Freiheit aber auch einem gewissen Gönnerblick zurückschauen kann, das Ganze akzeptiert und sich sagt, egal, wir machen keine Versprechungen mehr (No Promises).


Das Titelstück Ready The Astronaut ist mit seiner langsam sich steigernden anschwellenden Spannung ein Paradebeispiel für diese Sehnsuchtsklänge, gefüllt mit Schmerz, mit Erfahrung und mit Lebensweisheiten – inzwischen hat William genug erlebt, um sich selbst helfen zu können und das Leben an und für sich hinzunehmen und zu akzeptieren.

Seine einschmeichelnden Melodien versetzen einen Album für Album in eine Stimmung, aus der es schwerlich ein Entkommen gibt.
Aber es ist ja schließlich auch zu schön, um da wirklich von wegkommen zu wollen..
Man könnte sich ja hineinsteigern.
Diese Melancholie ganz zulassen. Sich gehen lassen, ohne sich aufzugeben.
Den Gefühlen vertrauen.
Sich selbst, der Liebe.

Denn das ist, was wirklich zählt.

° ° °

92/100

WILLIAM FITZSIMMONS Ready The Astronaut
Grönland, 25.6.2021

Dancing On The Sun
No Promises
Sown With One ANother
Daedalus, My Father
As Long As I Can Breathe
Ready The Astronaut
You Let Me Down
Maybe She Will Change Her Mind
If I Fell Back To The Earth
Icarus
To Love Forever



° ° ° in english:

Only love counts

The sad bard with the ingratiating voice and the songs that bring tears to your eyes from time to time is back.

Even though, according to his own statement, he didn’t want to make this record, at least not in the thematic and content-related proximity to his second divorce, which is processed here (also/among other things) in his lyrics. In any case, we are extremely happy that he has made it after all, his ninth solo record. One can not come enough of his in euphony packed suffering.

Because, as usual, the caresses of the soul are not neglected here, the exposure, the display and making oneself naked – the standing by one’s feelings, the coming to terms, the realization, the moving on. Especially in „such times“ you need something like that and besides, you always like to find out that you are not alone and that others are also in a bad way. Other people also suffer, have heartache, have worries, have fears – but also hope.

So you don’t necessarily always have to think positively or always negatively – a lot of things are fate, and your own well-being is obviously pretty snooty to it.
And you don’t have to think exclusively about the future all the time either, the present holds so many fantastic moments and experiences, so it’s not worth shying away into the perhaps depressing future.

He is now becoming a father again, he is married for the third time, loves his children like crazy and if you follow Fitzsimmons on social media, you think you can supposedly judge: He’s actually happier than ever.
Happy and grateful.

To draw consequences from one’s own mistakes, shortcomings and one’s own past and to avoid unhappy actions to a large extent, that is the goal, the meaning, that is processing and realization. This is how to move forward without burning your wings again.

Ready The Astronaut on his way not only rubs his hands and enjoys the view.
Like Icarus, he burns his wings just mentioned, but has the chance for a new beginning. Hope for change.
So on the new album there is also one or the other detached variation in the sound, not exclusively the plucked guitar playing, no, also synthies do their not even small part.

So don’t kid yourself, Maybe She Will Change Her Mind would be a (mental) possibility, but one that is not of concern, since William is happily married again and does not depend on the goodwill of his second wife to achieve his new, this great happiness.
Maybe this is the slight grin in the back of his head with which he has come to terms with these things, can look back with new freedom but also a certain patronizing look, accepts the whole thing and says to himself, never mind, we won’t make any more promises (No Promises).

The title track Ready The Astronaut with its slowly rising tension is a prime example of these longing sounds, filled with pain, with experience and with life wisdom – in the meantime William has experienced enough to be able to help himself and to accept life in and for itself.

His ingratiating melodies put you in a mood, album after album, from which it is hard to escape.
But after all, it’s too beautiful to really want to get away from it.
One could get into it.
Allow this melancholy to take over. Let yourself go without giving up.
Trust the feelings.
Trust yourself, trust love.

That’s what really counts.

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