Das Versprechen/Die Reise: VITSKÄR SÜDEN – The Faceless King (review)

(photo & allrights: VITSKÄR SÜDEN)

° ° °



Monumentale Soundwälle, auf- und abschwellend, gleitend, mehr und mehr Deiner Bewußtseinsebene verdrängend, Realität verschwimmen lässt.
Ein großer Klangwald, ein Schatten, ein übermächtiges Etwas, nicht wissen, was ist, was war, was wird.
Ein Gedankenspiel, denkst Du, doch kneif mich mal, ich wache nicht auf, ich bin wach, das ist kein Traum, denkst Du, kein Traum, das ist das Hier, das Jetzt, ein Immer.
Ein König der führt, ohne das man ihn kennt, ihn erkennt, verschwommen scheint er, ein Abbild eines widernatürlichen Scheinwesens, oder nur in Gedanken, Deinen Gedanken.
Der König, sieh ihm in die Augen, doch, Halt! Nein, das kannst Du nicht. Denn dieser König, dieser König, der hat kein Gesicht.

VITSKÄR SÜDEN

heißt diese Band.

The Faceless King

ist ein opulentes, bisweilen episch-progressives Post-Rock-Märchen, mit genügend Potential, seine erzählerische, dichte Melange aus Metal-Anleihen in Verbindung mit Psycho-Doom-Klang auszurollen und den Hörer zu bitten, sich inmitten dieses ursprünglichen, bewegenden Opus niederzulassen.

Was vor vielen Jahren Fish & seine Band Marillion massen- und konsumtauglich umzusetzen vermochte, steckt hier in Wildwuchs und überbordender Moorlandschaft fest, ohne doppelten Boden, ohne Hintertürchen, ohne Möglichkeit, eines Entkommens, ohne Angst jedoch, weil man sich so hin(-ein)gezogen fühlt, in dieser handwerklich grandios umgesetzten Landschaft, in der man den Eindruck vermittelt bekommt, dass hier erst einmal alles weggeblasen wird.

Doch die Vehemenz, die Wucht, kommt wohl dosiert.
Es ist ein gleichbleibender Wind, der Dich umweht, ein kräftiger Wind, doch kein wilder, böser, eher ein Begleiter, ein Jemand, ein Helfer, der Dich dem Ziel unaufhaltsam Stück um Stück näher bringt.

° ° °

Far away
Windswept dunes
Fall from grace
Mortal form
Pulled astray
Past the mind’s eye
Saw the warning
Hope’s eternal end
Pushing through the veil
Reach to find it
Colors of it all
Spirit fades away

° ° °
Denn obwohl die Dunkelheit ein stetes Thema, ein dauernder Begleiter bei dieser Königsreise ist, wirkt sie nicht bedrückend und einschüchternd sondern fungiert ein ums andere mal als Leiter, als Hinweis und Richtungsgeber, ein Wanderer, der Dir die Hand reicht und bei Nebel und Unwetter fest wie ein Fels in der Brandung dem Unbill der Wettergötter trotzt und Dir sicher den Weg weist.

Hier geschieht nichts in Hektik und Eile, hier ruhen die Psychoklänge dicht an dicht im Verborgenen.
Bis auf böses Zischeln zu Beginn von Bonedust & Dark bleibt man hier eher gedankenverloren als headbangend und buhlt in Bedächtigkeit um die Gunst des vermeintlich langhaarigen Klangfreunds.

Wer sich auf dieses cineastisch angehauchte kosmische Pomp-Rock-Werk einlässt wird, je weiter er in die Welt der in LA ansässigen Martin Garner, Julian Goldberger, Christopher Martin und TJ Webber
eindringt, mit einem lässig-entspannten und fesselnden Song-Sog belohnt.

Zudem gibt es in der Vinyl-Variante für Rollenspiel-Fans noch ein 24-seitiges Fantasy-Saga-Storybook – so dass dies königliche Reise ein Fullservice Abendprogramm zu bieten hat.

° ° °
89/100

VITSKÄR SÜDEN The Faceless King
Ripple Music, 4.11. 2022

The Way – Part 1
The Way – Part 2
Archdiocese Of Worms
Voices From Beyond The Wall
Shepherds On The Roadside
Bonedust And Dark
The Broken Crown

// in english:

The promise / The journey

Monumental walls of sound, rising and falling, gliding, displacing more and more of your level of consciousness, blurring reality.
A great forest of sound, a shadow, an overpowering something, not knowing what is, what was, what will be.
A mind game, you think, but pinch me, I don’t wake up, I am awake, this is not a dream, you think, not a dream, this is the here, the now, an always.
A king who leads, without you knowing him, recognizing him, blurred he seems, an image of an unnatural illusory being, or only in thoughts, your thoughts.
The king, look him in the eyes, but, stop! No, you cannot. For this king, this king, he has no face.

VITSKÄR SüDEN
is the name of this band.

The Faceless King
is an opulent, at times epic-progressive post-rock fairy tale, with enough potential to roll out its narrative, dense melange of metal borrowings combined with psycho-doom sound, asking the listener to settle down in the midst of this primal, moving opus.
What many years ago Fish & his band Marillion managed to implement suitable for mass and consumer, is stuck here in wild growth and exuberant moorland, without a double bottom, without back doors, without possibility of an escape, without fear, however, because you feel so drawn (in), in this craftsmanship grandiosely implemented landscape, in which you get the impression that here first of all everything is blown away.

But the vehemence, the force, comes well dosed.
It is a constant wind that blows around you, a strong wind, but not a wild, evil, rather a companion, a someone, a helper, who brings you inexorably closer to the goal piece by piece.
Although the darkness is a constant theme, a constant companion on this royal journey, it does not seem oppressive and intimidating, but acts once in a while as a leader, as a hint and directional guide, a wanderer who reaches out to you and in fog and storms, like a rock in the surf, defies the vagaries of the weather gods and safely shows you the way.

Nothing happens here in a rush and haste, here the psycho sounds rest close to each other in secret.
Except for nasty hissing at the beginning of Bonedust & Dark, one remains here rather lost in thought than headbanging and courts in thoughtfulness the favor of the supposedly long-haired sound friend.
Whoever gets involved in this cinematic cosmic pomp rock work will, the further he gets into the world of LA-based Martin Garner, Julian Goldberger, Christopher Martin and TJ Webber
will be rewarded with a casually relaxed and captivating maelstrom of songs.

In addition, the vinyl variant also comes with a 24-page fantasy saga storybook for role-playing fans – so this royal journey has a full-service evening program to offer.

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