Knistern: ELSPETH ANNE – Mercy Me (review)


(photos & allrights: ELSPETH ANNE / Bandcamp)



Jedes Jahr gibt es, darauf kann man sich verlassen und natürlich auch insgeheim freuen, ein, zwei, drei Alben und Künstler, die aus dem Nichts auftauchen und Dich überraschen, ja, begeistern.

Die Musik von

ELSPETH ANNE

ist vielschichtig und unmöglich in eine Schublade zu packen.

Folk-Pop vielleicht, Singer-Songwriter-Chamber-Pop, Dark-Ambient unter Umständen. Man kann sich etwas ausdenken und wird ein passendes Klangmoment auf diesem Album finden.

Wenn man hier eine Einschränkung vornehmen möchte, ist es vielleicht die zu natürlich wirkende Umsetzung dieser einnehmenden Songideen.
Oft nur mit einem leisesn Brummen oder hintergründigen Instrumenten, ansonsten ausschließlich Stimme – und die muss sich vor Größen der folk-Indie-Kultur keineswegs verstecken.

Hier kommen Erinnerungen hoch zu Songs aus den Siebzigern, sei es Joan Baez, Janis Joplin oder Trader Horne.
Neuzeitliche Vergleichskombinate seien von Melodie und Intensität Katie Spencer oder auch First Aid Kit genannt. Nicht vom Klang, nicht vom Drumherum.
Es geht um das Innendrin.

Es ist still, leise, es ist eindringlich, ja fast beschwörend.
Ob nun ein klagendes Banjo oder eine unheilvoll murmelnde Kulisse aus Monotonie – hier passt die oft anklagend wirkende Musik, die wengier Unmut herüberträgt als vielmehr ein mutiges und aufopferndes Konstrukt aus verwirrenden Sounds und immer wieder und immer mehr Stimme präsentieren. Hier scheint auch Wagemut und Schrägheit ein bewusst gewähltes Mittel der Titel zu sein.

Die Stille als Stilmittel, die Poetik oder Poesie ihrer Texte, die direkt und ungeschönt zu uns dringen.
Dramatik, Intensität und Traurigkeit. Aufarbeitung persönlicher Erlebnisse mittels schwermut und Gedankenballast. Dabei aber nie anklagend, eher beobachtend und aufzeigend.
Wie ein Weg aus dem Stillen ins gedämpfte Licht der Öffentlichkeit. In Mai als Highlight steht ansosten kein einzelner Song hervor.
Hier wirkt die Gesamtheit.

Ein beeindruckendes, intensives Werk von knisternder Intensität.

° ° °

93/100

ELSPETH ANNE
Mercy Me

Belt
Mercy Me
Coward
Hell Is Blossoming
Turn, Worm
In Mai
When I Was A Young Girl
With The Thaw I Was Renewed
Wet Peace
Perry Gordon



// in english:

Crackle

Every year, you can count on it and of course secretly look forward to it, there are one, two, three albums and artists that come out of nowhere and surprise you, yes, thrill you.

The music of

ELSPETH ANNE

is multi-layered and impossible to pigeonhole.

Folk-pop maybe, singer-songwriter-chamber-pop, dark-ambient under certain circumstances. One can think of something and will find a suitable sound moment on this album.

If there is a caveat to be made here, it may be the overly natural delivery of these engaging song ideas.
Often only with a quiet hum or background instruments, otherwise exclusively voice – and this does not have to hide from greats of folk indie culture at all.

Here memories come up to songs from the seventies, be it Joan Baez, Janis Joplin or Trader Horne.
Modern comparative combinations are from melody and intensity Katie Spencer or also First Aid Kit. Not of the sound, not of the trappings.
It is about the inside.

It is still, quiet, it is haunting, almost evocative.
Whether it’s a plaintive banjo or an ominously murmuring backdrop of monotony, this is where the often accusatory music fits in, less conveying displeasure than presenting a bold and sacrificial construct of disorienting sounds and more and more voice. Here, daring and weirdness also seems to be a deliberately chosen means of the tracks.

The silence as a stylistic device, the poetics or poetry of their lyrics, which penetrate directly and unadorned to us.
Drama, intensity and sadness. The reappraisal of personal experiences by means of melancholy and ballast of thoughts. But never accusatory, rather observing and revealing.
Like a way out of silence into the subdued light of the public. In May as a highlight no single song stands out.
It is the totality that works here.

An impressive, intense work of crackling intensity.

1 Comment

  1. Also Dein Review klingt schon mal sehr spannend, da werde ich definitiv auch ein Ohr drauf werfen. 🙂 DarkFolk mag ich ja generell gern.

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