Bewegungslos: LADYTRON – Time’s Arrow (review)

(photo & allrights: LADYTRON / fb-homepage)

Ja, Ihr da, genau: Diese Band existierte schon, bevor es Facebook gab.
Und whatsapp.
Soziale Medien.

In Liverpool Ende der 90ger Jahre gegründet, feierten sie erst kürzlich das 20 jährige Jubiläum des Erscheinens ihres Albums Light & Magic.
Und nun also Album Nummer Sieben.

In einer schrägen und nicht immer angenehm anfühlenden Welt ist es gewissermaßen beruhigend, wenn es Bands gibt, die ihren ursprünglichen Sound, natürlich ein wenig ge-up-dated, aber größtenteils beibehalten haben.
Ihr Elektro-Synthie-Sound, der früher den Hörer sogleich in einen überirdischen Schwebezustand versetzt hat, ist hier allerdings nur bedingt anzutreffen.
Die Band klingt aktuell, aufgepimpt und dennoch gleichzeitig nostalgiebehaftet.
Ausufernde Synthie-Wogen inklusive eines Gesangs, der engelig und abba-esk daherkommt, Misery Remember Me ist da ein gutes Beispiel. Das meine ich.

Die erste Single, City Of Angels, die das neue Album ankündigte, war fein anzuhören, aber gleichzeitig auch ein erster Hinweis, wo wir uns auf dieser Zeitreise mit
Time’s Arrow
befinden.

Ich mochte diese Band damals, weil sie sowohl mitreißende Ohrwurmsongs fabrizierten, als auch mein Faible für schräge Klänge ausreichend bedienten.

Was ich seltsam und bemerkenswert finde, ist, dass vielen Bands im Laufe der vergehenden Jahre irgendwie die Fähigkeit zum Schreiben von Ohrwurmmelodien abhanden kommt.

Der Großteil veröffentlichten Materials von Bands, die es schon eine geraume Zeit gibt, klingt belanglos, einfältig, bisweilen ideenlos und versprüht wenig Enthusiasmus, geschweige denn, dass es die Füße zum Wippen bringt und das Hirn mehr als beiläufig beschäftigt.

So höre ich das neue

LADYTRON

Album auf der Suche nach dem, was mein Herz berührt.
Und, ich muss sagen, so ganz rund läuft das nicht – und auf seltsame Weise an mir vorbei.
Flight From Angkor legt da ein Brikett in den Ofen und We Never Went Away kommt da schon nah ran an alte Erinnerungen.
Letzteres wird gleich auf die Liste der Herztöne des Jahres transferiert.
Nicht schlecht.
Schade nur, das mit dem folgenden The Night der eben erst gestartete Höhenflug wieder vorbei ist.
Das plätschert zwar ganz angenehm, wirkt auch wohl temperiert, aber der Funke fehlt.
Apropos Plätschern: Sargasso Sea macht da weiter. Ein hingehauchter Refrainansatz (tatsächlich keine weiterführende Melodie erkennbar) versucht auf cool, bleibt aber im spielerischen Synthiegeklingel stecken und vermag sich nicht zu befreien.
California.. hier könnte man sich ein ganzes Mixtape mit Songs dieses Titels gestalten. Dieser Song könnte mit drauf, wird aber kaum positive Vibes verursachen.
Das Titelstück am Ende holt nochmal einiges raus, insgesamt jedoch bleibt unter dem Strich zwar ein durchweg angenehmes Album, ohne das sich aber in mir die Lust regt, das hier mehr als noch drei, viermal durchlaufen zu lassen.

Schön, fein, nett und manchmal cool wie früher. Nicht mehr.

° ° °

73/100

LADYTRON
Time’s Arrow
Cooking Vinyl, 20.1.2023

City Of Angels
Faces
Misery Remember Me
Flight From Angkor
We Never Went Away
The Night
The Dreamers
Sargasso Sea
California
Time’s Arrow


// in english:

Unmoving

Yes, you guys, that’s right: this band existed before Facebook existed.
And whatsapp.
Social media.

Formed in Liverpool in the late 90s, they recently celebrated the 20th anniversary of the release of their album Light & Magic.
And so now album number seven.

In a weird and not always pleasant feeling world, it’s comforting in a way when there are bands that have kept their original sound, a little up-dated of course, but for the most part.
Their electro-synth sound, which used to immediately send the listener into an otherworldly state of limbo, is only found here to a limited extent.
The band sounds current, pimped up and yet at the same time nostalgia-ridden.
Sprawling synth surges including vocals that come across as angelic and Abba-esque, Misery Remember Me is a good example of what I mean.

The first single, City Of Angels, which announced the new album, was fine to listen to, but at the same time a first indication of where we are on this journey through time with
Time’s Arrow
are.

I liked this band back in the day because they fabricated both infectious earworm songs and sufficiently catered to my penchant for weird sounds.
What I find strange and remarkable is that many bands somehow lose the ability to write catchy tunes over the passing years.
Somehow a lot of it sounds inconsequential, simple-minded and exudes little enthusiasm, let alone keeps the feet bouncing and the brain more than casually engaged.

That’s how I hear the new

LADYTRON-

album in search of what touches my heart.
And, I have to say, it doesn’t quite pass me by.
Flight From Angkor puts a briquette in the oven and We Never Went Away comes close.
It’s about to be transferred to the list of heartbeats of the year.
Not bad.
It’s just a pity that with the following The Night the just started flight of fancy is over again.
It splashes quite pleasantly, seems well tempered, but the spark is missing.
Speaking of splashing: Sargasso Sea continues there. A whispered chorus approach (actually no continuing melody recognizable) tries to be cool, but gets stuck in the playful synth ringing and is not able to free itself.
California… here you could create a whole mixtape with songs of this title. This song could be on it, but will hardly cause positive vibes.
The title track at the end gets out some more, but overall remains under the bottom line a pleasant album, without the desire stirs in me to let this run through more than three, four times.

Nice, fine, nice and sometimes cool as before. Not more.

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