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Meine Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer, die Berge und Täler und Seen und Geysire und Vulkane und.. ach, schon fällt der Regen, prasselt hernieder und es fällt schwer, die passenden Worte zu finden.

Neue Musik von

SIGUR RÓS

verspricht immer einiges und ein ungewöhnliches Medienecho ist gewiß.

Erstmals als Trio angetreten (nach dem Ausstieg des Keyboarders Kjartan „Kjarri“ Sveinsson, der als einziges Mitglied über eine tatsächlich klassische musikalische Ausbildung verfügte) ist

Kveikur

mehr geworden als eine Rezension, ein Einschnitt, eine Rückbesinnung.

Es ist die Tiefe die beeindruckt, zielsicher steuern sie ihre Lieder, halten den Kurs und segeln direkt in die eigene Zerstörung, mit Spaß, mit Elan, mit Wonne. Sie laufen auf Grund, rudern sich frei mit der nächsten Welle, nutzen den Wind und ihre neue, schier unerschöpflich anmutende Energie. Sägende Gitarren, sich drehend, bohrend und die typische Klangwand, vertraut und doch immer wieder neu. Nichts bleibt wie es ist, alles ist wie es war.

Härter, direkter und songorientierter als man es zuletzt von den Isländern zu hören bekam. Im immerhin 19. Jahr ihres Bestehens klingen sie auf ihrem siebten Studioalbum schmutziger denn je, rauh und ungehobelt, brachial mit heavy Gitarrenriffs und hämmernden Soundscapes, die Ísjaki fast zu einem Hit für Tanzflächen machen.

Über allem thront nach wie vor die Stimme von Jón Birgisson, die alles zusammenfügt, ob es nun will oder nicht oder ob es denn gar nicht zusammengehört, einer Stimme die in Höhen entschwindet
und einen Sternenwirbel voll Klang und Ton hinter sich her schleift.

Dräuende Soundschleifen ergeben diffuse Malereien, die beim Hören der Musik entstehen und sich bildhaft vor dem geistigen Auge ausbreiten. Es fließt, treibt voran und zieht mit.
Wir haben dunkle Wolken, schwebend, bombastische Sounds, es versammelt sich ein wildes Spektrum an visionierten Klängen, braut sich zusammen, entlädt sich.

Im Titelsong verzerrt sich der beschwörende Gesang zu einem enthusiastischen Gewitter, dem man nahezu schutzlos gegenübersteht und welches man, stehenbleibend, gebunden durch die gewaltigen Musiklawinen, über sich ergehen lässt und sich dabei noch wohlig räkelt. Ein blutsaugendes Heimat-Horrormovie-Spektakel.

Melodiös und kraftvoll von Anfang bis zum Ende.
Bláþráður
ist mit seiner wundersam einnehmenden Tonfolge für mich einer
der hymnischsten Songs, die die Band je geschaffen hat.

Es könnte fast ein Pop-Album sein, das hier mit
Kveikur
vorliegt.

Ist es aber nicht, weil die Musik der Band nach wie vor ungreifbar und in seiner Komplexität
so überdimensional angelegt ist, dass der Begriff Pop hier wie ein Schimpfwort klingt.

Ich bin nass bis auf die Haut.

° ° °

Brennistein
Hrafntinna
Ísjaki
Yfirborð
Stormur
Kveikur
Rafstraumur
Bláþráður
Var

° ° °

sigur-ros.co.uk

97/100

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