graceba

(photo & allrights: GRACE SINGS SLUDGE / Bandcamp)

 

° ° °

Die wundersame sympathische Ausnahmekünstlerin
Grace Cooper alias

GRACE SINGS SLUDGE

hat vor kurzem ihr neues Opus
Christ Mocked & The End Of A Relatinship
veröffentlicht.

Wer sich die Zeit nimmt, in ihren Kosmos einzutauchen, wer sich die Zeit nimmt, ihren Texten, ihren Worten, ihren Gedanken und letzten Endes natürlich auch ihren Tönen zu folgen wird belohnt mit einem oft auf den ersten Blick seltsam fremd und dennoch berührend annutenden Kaleidoskop persönlicher, intimer Bekennungen, freimütig uns offenbart und freigegeben.

Auch auf ihrem neuen Album bekommen wir teils windig-luftige Kompositionen inmitten theatralisch schwerwiegender Klanggebilde vorgeworfen; auf dass man sich inmitten dieser Kunst zurechtfinden möge, die Töne sich quasi mundgerecht zurechtmachen, einmal hören, nochmal und nochmal.

So ganz ins kalte Wasser geworfen mag sich manch einer tendenziell eher etwas überfordert fühlen, wenngleich den Songs stets eine charmante Komponente innewohnt.

Wenn sie auf Christ Fucking Mocked zur Eröffnung super entspannt hereinspaziert hat das etwas von der Atmosphäre, die eine Beth Gibbons umgibt. Die könnte man sich unter Umständen auch über einen saufenden, brabbelnden Jesus singend vorstellen.
Leise, lasziv, zurückgelehnt, ohne auch nur einen Moment die Aufmerksamkeit schleifen zu lassen, zu dicht, zu nah dran ist sie mit ihrer Stimme, man fühlt sich hineingezogen in dieses Schauspiel.

Die Cowboy Junkies kommen mir in den Sinn, es ist ein Sonnenuntergangsspektakel besonderer Natur, verschlepptes Schlagzeug, schummrige Gitarre, über allem die Stimme von Frau Cooper, die uns in ihrer Entspanntheit sagen möchte, alles wird gut. Dabei wäre das ja gelogen. Denn wir wissen, es wird nicht alles gut.

Ein verwursteltes Kraut- und Rübensammelsurium voll irrer Ideen und voller hintergründiger Gefühlwelten, stets verbleibt man in Lauerstellung, es kommt gleich irgendetwas, es wird etwas passieren, etwas Unerwartetes, etwas Außergewöhnliches.

Sie sammelt in ihren Liedern Erfahrungen, spielt mit ihnen, auch mit ihren Erinnerungen, und spielt auf diesem Album alle Instrumente selbst (bis auf Piano & Drums in der Sprecheinlage The Heckers) – schon das zeigt, welch immenser Schatz in ihr ruht. Und obgleich ihr natürlich sowohl all die irdischen Fehltritte und zu erwartenden eher minder feinen Erlebnisse als auch die Endlichkeit unseres hiesigen Daseins bewusst sind, versucht sie ihren Humor nicht zu verlieren und lässt dies auch immer wieder in ihre ansonsten von Düsternis geprägten Erzählungen einfließen.

Es tut sehr gut, inmitten einer immer absurderen Realität diese herzliche Musik einfach genießen zu können.

° ° °

94/100

GRACE SINGS SLUDGEChrist Mocked & The End Of A Relationship
Empty Cellar Records, 17.7.2020

gracesingsco

Christ Fucking Mocked
He Is In Our Hearts
Born Again Wagon
The Pledge
The Heckers
Falling In Love With Him Was The Most Exciting Time In My Life
Friend To All
Walnut Creek Death Trip
In Your Arms Forever
Horror For People That Don’t Like Horror
Borderlands
I Can’t Wait

 

// in english:

Just for ourselves

The wondrous sympathetic exceptional artist
Grace Cooper aka

GRACE SINGS SLUDGE

has recently launched her new opus
Christ Mocked & The End Of A Relationship
published.

Whoever takes the time to dive into her cosmos, whoever takes the time to follow her texts, her words, her thoughts and, in the end, of course, her sounds, will be rewarded with a kaleidoscope of personal, intimate confessions that are often strangely strange at first glance, but nevertheless touching, openly revealed and released.

Also on her new album we are reproached with partly windy and airy compositions in the midst of theatrically serious sound structures; so that one may find one’s way in the midst of this art, that the sounds may be bite-sized, listen once, listen again and again.

Thrown into the cold water, some of you might feel a bit overstrained, even though the songs always have a charming component.

When she walks into Christ Fucking Mocked for the opening, it has something of the atmosphere that surrounds a Beth Gibbons.
This is a person you could imagine her also singing about a drunk, babbling Jesus.
Quiet, lascivious, leaning back without letting your attention slip for even a moment, too close, too close she is with her voice, you feel drawn into this spectacle.

The Cowboy Junkies come to mind, it is a sunset spectacle of a special nature, dragged drums, dim guitar, above all the voice of Mrs. Cooper, who in her relaxedness wants to tell us that everything will be alright. But that would be a lie. Because we know that everything will not be all right.

A muddled hodgepodge of crazy ideas and full of enigmatic worlds of feelings, you always remain in ambush, something is about to happen, something unexpected, something extraordinary.

She collects experiences in her songs, plays with them, also with her memories, and plays all the instruments on this album herself (except for piano & drums in the interlude The Heckers) – this alone shows what an immense treasure she holds. And although she is of course aware of all the earthly missteps and the expected rather less fine experiences as well as the finiteness of our local existence, she tries not to lose her humour and lets this flow into her otherwise gloomy stories again and again.

It’s very good to be able to simply enjoy this warm music in the midst of an increasingly absurd reality.

 

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