Zwischenwelten: WARPAINT

warpmus

Fool war vor ein paar Jahren in etwa so etwas wie eine Infektionskrankheit. Undertow war ein Erreger und jeder, der etwas auf sich hielt, war infiziert. Eine damals nahezu unbekannte Band, die mit verschleppten Rhythmen und durcheinandergewürfelten Melodien, dunklem Sound und bittersüßen Stimmen auf der Bildfläche erschien, eine Band, deren Zukunft einfach nur großartig zu werden versprach. Es war ein dunkles Undergroundwerk für die unbeschreibbare Zeit der Nacht, die Momente des Herumwälzens im Schlaf, die Sekunden zwischen Traum und Realität, die Zeit in der die Nebel aus den Abwasserkanälen der Stadt emporsteigen und die Ratten ihre Beute unter ihresgleichen verteilen.

Zurück in die Gegenwart. Ein neues Album. Zwischen Eleganz und cooler Souveränität, zwischen großangelegtem Waberpop und Angst, zwischen Hitze und Spontanität, intim, unberechenbar.

WARPAINT

sind zurück und ihr Album ohne Namen sprengt Grenzen.

Hi
ist mein Favorit zwischen all den wie an einer Kette aufgereihten Songperlen.
Ein Song wie ein Sommerregenschauer. Auch wenn Du dabei nass wirst, fühlst Du Dich berührt und befreit,
von Staub und störenden Gedanken.
Hi kommt herangeschlichen wie durch einen grün schimmernden Blätterwald, verstörende Klänge, ein stimmliches, elektrifiziert und verfremdetes Stück, bedrohlich fast und ziemlich großartig. Ein Sub-Rhythmus, ein Abenteuer in schwarz und weiß, klar und rein, voll sich aufbäumender Energie, stets vorwärts und doch seltsam zurückgenommen in athmosphärischer Dichte.

Sprechen namhafte Rezensoren von overstylisher Langeweile und von Staffage und Show ohne Leben, von the Anti-Haim, verteilen andere großherzig Lobhudeleien für das neue Werk von
Theresa Wayman, Emily Kokal, Stella Mozgawa und Jenny Lee Lindberg.
So unterschiedlich sind die Meinungen der Presse.

Ihre Trip-Dub-Spielereien mögen, wie im schwächsten Stück des Albums, Disco/very, also im schlechtesten Fall und beim ersten Hören etwas eintönig erscheinen. Als Gesamtheit ist dieses Album aber ein dichtes und einzigartig bezauberndes Werk voll flirrendem Gewirr und beschwörenden Momenten geworden, das sich zwischen Polica und The XX keineswegs verstecken muss.

warpaint
Intro
Keep it healthy
Love is to die
Hi
Biggy
Teese
Disco/very
Go in
Feeling alright
CC
Drive
Son

warpaintwarpaint

94/100

2 Comments

  1. 2014 fängt ja gut an und der Sommer ist noch nicht da…. läuft zur zeit ununterbrochen mit The Church „Remote Luxury“

    Christian

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