Die Traurigkeit (die Träne), die Neugier (die Geborgenheit): MORIAH BAILEY – I Tried Words (review)

(photos & allrights: MORIAH BAILEY / Keeled Scales / Bandcamp)



Es gibt ja so mach geflügeltes Wort. Obgleich dies meist nichts mit Federvieh zu tun hat.
Und dann gibt es da die Gefühle.
Denen man oftmals eine eigene Welt hinterhersagt.

Da steht man da und weiß gar nichts zu sagen.
Weil die Situation so bewegend, so ergreifend, so beeindruckend, ganz gleich ob positiv oder negativ ist.
Es fehlen einem die Worte.
Und so sucht man, denkt, sinniert, grübelt.
Man findet nichts, was diese Gefühle so beschreiben könnte, von dem man agen würde, ja, das ist es. Du verstehst nun, was ich fühle.
Man ist sprachlos.
Und

MORIAH BAILEY

versucht auf ihrem neuen Album auch, passende Worte, Umschreibungen, Schilderungen zu finden, für das, was in ihr steckt, was sie in ihre Songs übertragen hat, was sie vertont hat, mit ihrer Musik.
Mit ihren Texten dazu, ihren Worten.
Auf der Suche, nach dem passenden Wort.
I Tried Words.

Schon einmal stand
MORIAH BAILEY
,
damals noch unter ihrem Pseudonym Sun Riah am Ende ganz oben in meiner Rangliste.
Ihr letztes Album eroberte den Thron im Jahr und kam damals für mich als riesengroße Überraschung. Auch ihr neues Album erscheint wieder auf ihrem Heimatlabel Keeled Scales.

Außer ihrem Namen hat sich auf den ersten Blick nicht so sehr viel verändert.
Noch immer schafft sie mit ihrer dramatischen Musik mit Harfenbegleitung / Harfenmusik mit dramatischer Ausgestaltung /… intime, persönliche Songs mit Persönlickeit zu erschaffen.
Songs, denen man ihre innere Geschichte anhört, denen man die Dramatik, die Erlebnisse der Künstlerin ohne Nachfrage, ohne Umschweife glaubt. Die einen beschäftigen, durch und durch, wieder und wieder.
Songs, die einen in ihrer Tiefe und Dramatik schon mal aus dem Gleichgewicht bringen können.
Wenn Songs beim ersten Hören so schmerzen, so berühren, weh tun..
Hört doch einfach mal So You Say… und versucht dabei nicht an geliebte Menschen zu denken, an vergangene Zeiten, an Verluste, an Familie, … das ist unglaublich, unglaublich großartig, unglaublich schön.
Und traurig.
Eine Träne.

Das neue Album macht Appetit, nicht allein des Covers wegen. Aber auch.
Jedesmal wenn man sich dieses eher schlicht gehaltene Cover banschaut, hat man danach einen nahezu unbändigen Appetit auf Süßes und genau diesen Mohn-Marzipan-Gelee-Geschmack im Mund.

Ihre spontanen, durchweg von Poesie und Erinnerung durchzogenen Songkonstrukte gleichen einem Sommertag im Park, Wind leicht, Wolken schweben, hoch, verweben sich zu Gespenstern, zu Tieren, Dämonen und Marienkäfern, all dies, und da, schau.

Beim Stöbern auf dem Dachboden haben wir tatsächlich ein Bild der Großmutter auf einem hölzernen Schlitten gefunden, schau nur, wie sie lächelt, schüchtern, sich freut, schau nur, diese Menge von Schnee..

Ihre Songs sind Räume, Orte, an denen man sich zurechtfinden möchte, sobald man nur von Fern ihrer Existenz gewahr wurde.

Auch ist die Traurigkeit des letzten Albums verändert, es gibt mehr Licht, mehr Leuchten, mehr Farbe. Nicht weniger Erinnerung, nur mehr ausgearbeitet, differenzierter.

Ein Album wie ein großer Moment allumfänglicher Zufriedenheit und Geborgenheit.
Und mittendrin, die Neugier.

96/100

° ° °
MORIAH BAILEYI Tried Words
Keeled Scales, 3.12.2023

Wishful Thoughts
A Late Spring
The Downpour
So You Say..
The Ocean Life
My Father’s Words
My Mother’s Words

Not Staying

// in english:

The sadness (a tear), the curiosity (the security)

There is such a thing as a winged word. Although this usually has nothing to do with feathered fowl.
And then there are the feelings.
Which often have a world of their own behind them.

You stand there and don’t know what to say.
Because the situation is so moving, so touching, so impressive, whether positive or negative.
One is at a loss for words.
And so you search, think, ponder, brood.
One finds nothing that could describe these feelings in such a way, of which one would agen, yes, that is it. You understand now what I feel.
We remain speechless.
And

MORIAH BAILEY

also tries on her new album to find suitable words, paraphrases, descriptions, for what is inside her, what she has transferred into her songs, what she has set to music, with her music.
With her lyrics to it, her words.
In search of the right thing to say.
I Tried Words.

Once before
MORIAH BAILEY,
then still under her pseudonym Sun Riah at the end at the top of my ranking.
Her last album conquered the throne in the year and came as a huge surprise for me at the time. Her new album is out again on her home label Keeled Scales.

Except for her name, not so much has changed at first glance.
Still she creates with her dramatic music with harp accompaniment / harp music with dramatic elaboration /… to create intimate, personal songs with personality.
Songs that you can hear her inner story, that you believe the drama, the experiences of the artist without question, without hesitation. Songs that keep you busy, through and through, again and again.
Songs that can sometimes throw you off balance in their depth and drama.
When songs hurt so much at first hearing, touch so much, hurt so much…
Just listen to So You Say… and try not to think about loved ones, past times, losses, family, … it’s incredible, incredibly great, incredibly beautiful.
And sad.
A tear.
The new album whets the appetite, not only because of the cover. But also.
Every time you look at this rather plain cover, afterwards you have an almost irrepressible appetite for sweets and exactly this poppy seed marzipan jelly taste in your mouth.

Their spontaneous song constructs, infused throughout with poetry and memory, resemble a summer day in the park, wind light, clouds floating, high, weaving into ghosts, into animals, demons and ladybugs, all this, and there, look.

Rummaging in the attic, we actually found a picture of grandmother on a wooden sled, just look at her smiling, shy, rejoicing, just look, this amount of snow….

Her songs are spaces, places where you want to find your way as soon as you became aware of their existence only from afar.

Also, the sadness of the last album is changed, there is more light, more glow, more color. Not less memory, just more elaborated, more differentiated.

An album like a great moment of all-embracing contentment and security.
And in the middle of it, curiosity.

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