Heron Oblivion
(photo & allrights: HERON OBLIVION / Sub Pop / Alissa Anderson)

° ° °
While my guitar gently weeps.

Ein freies Feld.
Daran anschließend ein schmaler Bach in waldigem Feuchtland.
Ein Geschöpf mit blasser Haut, starrem Blick, gekleidet in Nichts.
Die Sonne, längst verbraucht an diesem Tag, der zunächst langsam, dann aber zunehmend, in finstere Nacht übergeht.
Die mysterische Frau stapft, vorsichtig ihre Füße hebend, durch sumpfiges Grün, schneidet sich am scharfen Rand der emporsprießenden Blätter, dünne Blutstropfen bilden sich, rinnen langsam zäh ihre Beinchen hinab, gleiten hinunter zu und vermischen sich mit dem ewig fließenden Wasser eines Bachs.
Und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Meg Baird,
die mich im letzten Jahr mit vielen überaus gelungenen Songs ihres Soloalbums überraschte,
ergießt sich hier in Verbindung mit ihren Spielgefährten in Form von

HERON OBLIVION

erneut in unsere Ohren.

Niemand wird verschont, hier wird nicht gefeilt, hier wird bisweilen brachial ausgespien, was schon lange unter die Leute gebracht werden sollte.
Hier heult die starke Macht wie Rudel von Wölfen.

Mäandernde Gitarrenwälle schwellen ab, auf, ab, zerren an unseren angespannten Nerven, die bisweilen fast schüchtern wirkende, einem hellen Wesen entstammende Stimme greift nach uns, führt uns herum und nimmt uns auf in ihre Riege, überbordet alles mit Einsamkeit und gefühlvoller Ruhe, als Gegenpol zum strangulierenden Sog der Gitarren.

Gegensätzlicher könnte die Stimmung nicht sein.
Von zärtlich über anschmiegsam bis beängstigend bedrohlich, vereint, vermengt, ineinander gekrallt.
Auf der einen Seite das über uns hereinbrechende Meer von unzähligen unnachgiebig sägenden Saiten, auf der anderen diese Stimme, die innehalten lässt.
Die die Atmung verflachen und jede Bewegung auf ein Minimum reduzieren lässt.

HERON OBLIVION

sind ganz heiße Kandidaten (für… irgendwas halt) und dieses Teil gehört dieses Jahr verdammt nochmal ganz definitiv in jeden Plattenschrank.

heronoblivion-900

Beneath Fields
Oriar
Sudden Lament
Rama
Faro
Sevente Landscapes
Your Hollows

(Sub Pop, Pre-Order)

° ° °

94/100

Ein Kommentar zu „Der Trost Von Fremden: HERON OBLIVION [VÖ: 4.3.]

  1. Ja, das letztjährige Meg Baird-Album hat auch bei Sounds & Books Spuren hinterlassen und Heron Oblivion werde ich mir demnächst noch mal geanuer anhören. Viele Grüße, Gérard

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