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(photo & allrights: TRUTH CLUB / bandcamp)

° ° °

Während Interpol vor sich hin vegetiert, die Editors eine mehr oder weniger langweilige Platte nach der anderen herausbringen, fristen attraktive Bands, die von ihrer Kreativität und ihrem Soundspektrum die vorgenannten bei weitem überholt haben, ein Schattendasein.

Not An Exit

das Debüt dieses Vierers aus Raleigh, North Carolina

TRUTH CLUB

haut genau in diese Kerbe und vermag Lücken zu schließen, die man gar nicht bemerkt.

Ein Album, dass in seiner Kürze von knapp 28 Minuten mal wieder viel zu wenig Zeit für viel zu gute Songs bietet, ein Album dass mehr verdient als eben jenes Rangieren in zweiter Reihe.

Eine unterkühlte Stimmung, etwa so als würden die heillos überberwerteten Cigarettes After Sex endlich mal veruchen, keine belanglose Musik zu fabrizieren, eine Stimme, die in ihrem tiefen Timbre nahe der Magengrube zum Einschlag gerät, dazu ein Bass der in stoischer Kleinarbeit das tut, was zu tun ist.

Hintergründig unheilverkündende Stimmung zu unterstützen.

Nach einer Nacht, in der zu viel Whiskey und zu viele Zigaretten ihren Weg fanden, das Lächeln des Mädchens hinter der Bar, die Dir wie im Film, ihre Nummer auf einem Bierdeckel aufgeschrieben hat, ohne dass Du sie darum gebeten hast, die dann im Hauseingang ihre Hand in Deiner Hose versenkt hat und Du das ziemlich gut fandest,  eine Nacht, in der der Kaffee auch laufwarm die Kehle herunterrann, in der irgendjemand Zimtzigaretten aus Indien hervorzauberte und Lippen, die ähnlich süß waren wie Honigmelonen.
Eine Dusche, eigentlich zu eng für zwei, ein zerwühltes Bett und ein großartiges Gefühl von Ungebundenheit und Freiheit, zwar mit rauhem Hals aber einem Vibrieren hier und da, einem Wirbeln im Magen und mehr wirren Gedanken, als Du verarbeiten konntest.

Ein Album wie eine Kopfschmerztablette bei Föhn.
Wie ein Sonnenuntergang mit Freunden.
Wie ein Einser in der Schularbeit.
Wie ein Rülpser nach einem super Essen.
Wie ein Anruf um Mitternacht.
Wie ein Ausflug an den Fluss, gerade zu der Zeit, in der der Morgentau noch auf den Blättern hängt und die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages wie kleine Krabbeltiertchen über Deine Haut streichen.

Hier ist nichts brav, hier ist alles aufgeladen mit einer unterdrückten Energie, die sich ihren Weg bahnt.

Kleine persönliche Geschichten. Über die Vergangenheit, eine Rückkehr in das Haus Deiner Jugend, wenn die Mutter schon das Frühstück bereitete während Du noch schliefst  (Tethering) und die Zeit sich seltsam gedehnt und unbekannt anfühlte. Ausbrüche in fliegende Gitarrenmeere, sich gehen lassen, herausbrüllen und dabei ein gutes Gefühl haben.

Die Aufarbeitung einer Beziehung ohne Hoffnung, den ganzen Schrott aufsammeln, vielleicht kommst Du ja doch noch einmal unerwartet vorbei, dann kannst Du einfach alles mitnehmen (Student Housing).

Dieses Duett, eher gesprochen, gehaucht, mit einer dräuenden Bass-Line (Path Render), das innere Aufräumen (No Planned Sequel), es fühlt sich gut an, aber wozu?

Alltagsgeschichten in großartiger Manier vorgetragen, intensiv und ganz nah dran, so als wären es die eigenen Geschichten, die uns der

TRUTH CLUB

hier erzählt.

Songs, die erzählt werden wollen.
Songs, die sich einen Weg suchen und die nun unmissverständlich zu Dir gehören.

° ° °

97/100

TRUTH CLUBNot An Exit
Tiny Engines, 3. Mai 2019

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I Know There Is
Student Housing
Path Render
No Planned Sequel
Luminescence
Naesha
Not An Exit
Tethering
Dry Off

// in english:

Our Stories

While Interpol is vegetating, the Editors are releasing one more or less boring record after another, attractive bands, who have far overtaken the above-mentioned ones by their creativity and their sound spectrum, are living a shadowy existence.

Not An Exit

the debut of this foursome from Raleigh, North Carolina.

TRUTH CLUB

is able to close gaps that you don’t even notice.

An album that in its brevity of just under 28 minutes once again offers far too little time for far too good songs, an album that deserves more than just that ranking in second row.

An undercooled mood, as if the hopelessly overvalued Cigarettes After Sex finally try not to fabricate any irrelevant music, a voice, which in its deep timbre gets close to the pit of the stomach, plus a bass, which does in stoic detail what has to be done.

To support a profoundly ominous mood.

After a night in which too much whiskey and too many cigarettes found their way, the smile of the girl behind the bar, who wrote down her number on a beer mat like in the movie, without you asking her to, who then sank her hand into your trousers at the house entrance and you thought it was pretty good, a night in which the coffee was running warm down the throat, in which someone conjured up cinnamon cigarettes from India and lips that were as sweet as honeydew melons.
A shower, actually too tight for two, a rumpled bed and a great feeling of independence and freedom, with a rough neck but a vibration here and there, a swirl in the stomach and more confused thoughts than you could handle.

An album like a headache tablet on Föhn.
Like a sunset with friends.
Like an „A“ in school work.
Like a burp after a great meal.
Like a call at midnight.
Like a trip down to the river, just at the time when the morning dew is still hanging on the leaves and the first rays of sunshine of the new day are stroking your skin like little crawling animals.

Nothing is behaving on here, everything is charged with a suppressed energy that is making its way.

Little personal stories. About the past, a return to the house of your youth, when your mother already prepared breakfast while you were sleeping (Tethering) and the time felt strangely stretched and unknown. Breaking out into flying guitar oceans, letting oneself go, shouting out and having a good feeling about it.

The processing of a relationship without hope, picking up all the junk, maybe you’ll come back unexpectedly, then you can just turn your back on me again and take this everything with you (Student Housing).

This duet, more spoken, breathed, with a dragging bass-line (Path Render), the inner clearing up (No Planned Sequel), it feels good, but what for?

Everyday stories presented in a great manner, intense and very close, as if it were our own stories that the

TRUTH CLUB

brings us here.

Songs that want to be told.
Songs that look for a way and now belong to you. Unmistakably and forever.

 

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